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Seelische Gesundheit und Entlastungsmöglichkeiten - Pflegekoffer

Eine Person verfügt über Seelische Gesundheit (engl. mental health), wenn sie sich wohlfühlt, ihre Fähigkeiten aktiv einsetzen und ihre alltäglichen Lebensherausforderungen meistern kann. In Zeiten des „Dauergebens“ in einer Pflegesituation oder bei anhaltender Belastung, auf die nur bedingter Einfluss genommen werden kann, braucht die seelische Gesundheit besondere Aufmerksamkeit. Die folgenden zwei zentralen Tipps können Sie Pflegenden Angehörigen als Impulse an die Hand geben. Darüber hinaus gibt es noch weitere Ideen zur Entlastung, die Sie weiter unten in den Links finden.

  1. Bleiben Sie in Kontakt mit Personen, die Ihnen wichtig sind, denn besonders wenn die Stunden am Tag mit Aufgaben gefüllt sind, werden oft die eigenen sozialen Kontakte stark reduziert. Dies kann zur Einsamkeit mit all ihren Risiken führen.
  2. Sorgen Sie täglich für eigene Zeit, in der Sie sich ihrem eigenen Wohlbefinden widmen. Im besten Fall sind diese Zeiträume täglich im Kalender als unverhandelbar geblockt

Resilienz ermöglicht es Menschen, prozesshaft auf Herausforderungen und Veränderungen mit Anpassung des Verhaltens zu reagieren. In Situationen der Pflegeverantwortung kommt es wiederholt zu herausfordernden Veränderungen der Pflegesituation, die immer wieder neue Verhaltensanpassungen fordern. Jede gelingende Situationsanpassung stärkt die Resilienz. Gleichzeitig kann diese Resilienzstärkung nur gelingen, wenn ausreichend Lösungsressourcen zur Verfügung stehen. Daher ist es hilfreich, aktiv an der Bereitstellung der Ressourcen zu arbeiten (z. B. einen Plan B bereithalten, Pflegenetzwerk entwickeln, Pflegepausen einplanen mit Vertretungslösungen …), um so die eigene Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit für Veränderungssituationen zu stärken.

Onlineangebote zur Stärkung der Gesundheit von pflegenden Angehörigen

Unter dem Motto „Zeit für mich“ bieten die AOK Rheinland/Hamburg zusammen mit dem Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz Köln und das südliche Rheinland pflegenden Personen Online-Angebote an. Diese Angebote ermöglichen eine Auszeit zur Begleitung und Stärkung im Pflegealltag. Es geht darum, die Balance zwischen den Anforderungen der Pflege und dem persönlichen Wohlergehen zu stärken.

Alle Personen mit Pflegegrad haben monatlich einen Anspruch auf den Entlastungsbetrag in Höhe von 131 Euro. Dieser Betrag ist ausschließlich dazu zu verwenden, die pflegebedürftige Person im Alltag zu unterstützen sowie die Pflegenden zu entlasten. Es gibt unterschiedliche Formen von „Angeboten zur Unterstützung im Alltag“:

  1. Betreuungsgruppen und Besuchsdienste
  2. Entlastungsangebote für pflegende Angehörige
  3. Angebote zur Entlastung von pflegebedürftigen Personen durch Hilfen bei der Haushaltsführung (Einzelkräfte, Mini-Jobber – verlinken mit Kapitel 1 – wechselseitig)
  4. Nachbarschaftshilfe

Informationen zu zugelassenen Angeboten zur Unterstützung im Alltag erhalten Sie bei der Pflegekasse oder bei der Pflegeberatung.

 

Betreuungsangebote sind für pflegebedürftige Personen mit einem besonderen Betreuungsbedarf. Es können Gruppen- oder Einzelbetreuungen sein (z. B. Betreuungsgruppen für Menschen mit Demenz, Tagesbetreuungen in entsprechenden Einrichtungen oder stundenweise Betreuung zu Hause).

Entlastungsangebote von Pflegenden stellen die pflegenden Angehörigen oder Freunde ins Zentrum. Hier gibt es das Angebot der Pflegebegleitung. Diese unterstützt bei der Pflegeorganisation, ohne selbst Pflegeaufgaben zu übernehmen. Zusätzlich geben sie emotionale Unterstützung rund um den Pflegealltag.

Bei Angeboten zur Entlastung im Alltag handelt es sich um praktische Hilfen. Hierzu zählen Unterstützungsangebote im Haushalt (z.B. Wäscheservice, Kochen oder Wohnungsreinigung) sowie Einkaufshilfen. Möglich sind außerdem: Begleitung in die ärztliche Praxis, zur Apotheke, zum Frisiersalon oder bei Behördengängen. Weitere Angebote zur Entlastung im Alltag können tagesstrukturierende Hilfen sein oder auch Angebote zur Freizeitgestaltung. Hierzu zählt etwa das Vorlesen von Zeitschriften oder Büchern. Auch können Angebote, die soziale Kontakte und Aktivitäten unterstützen, wie etwa die Teilnahme an Veranstaltungen, alltagentlastend sein.

Ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe wird als Hilfe im Alltag bei pflegebedürftigen Menschen von den Pflegekassen aufwandentschädigt. Hierzu benötigt die Person, die Nachbarschaftshilfe leistet, eine Anerkennung.

Weitere Informationen zum Thema Nachbarschaftshilfe finden Sie hier.

Für Menschen nach einem Schlaganfall gibt es das Angebot der Ehrenamtlichen Schlaganfall-Helfer. Sie stehen Betroffenen im Alltag zur Seite und unterstützen bei den Alltagsaktivitäten.

Personen, die Angehörige, Nachbarn oder Freunde pflegen oder sich ehrenamtlich in Pflegesituationen einbringen, können an kostenfreien Pflegekursen teilnehmen. Bei der Pflegekasse erfahren Sie, wo und wann in Ihrer Nähe Pflegekurse angeboten werden. Neben den Pflegekursen vor Ort werden auch Online-Pflegekurse angeboten. Im Pflegekurs erhalten die Teilnehmenden praktische Anleitung und Informationen zur Gestaltung der Pflegesituation. Es werden alltagsrelevante Pflegetipps gegeben, der Gruppenaustausch wird ermöglicht und Netzwerke werden gebildet. Neben allgemeinen Pflegekursen gibt es spezielle Pflegekurse (z.B. Pflegekurse für Angehörige von Menschen mit Demenz oder auch Pflegekurse für neurologische Erkrankungen). Auf Wunsch kann auch in der häuslichen Umgebung des Pflegebedürftigen eine individuelle Schulung zur Pflegesituation erfolgen. Dies eignet sich besonders, wenn gezielt die Bewegungsförderung, der Transfer sowie das Bewegen im Bett zusammen mit der pflegebedürftigen Person geübt wird. Hier können auch spezielle Konzepte wie Kinästhetik, Basale Stimulation oder auch Bobath trainiert werden. Bereits während eines Krankenhausaufenthaltes besteht für pflegende Angehörige die Möglichkeit, mit Pflegetrainerinnen und -trainer der Familialen Pflege im Krankenhaus vorbereitend in der Pflege des Angehörigen angeleitet zu werden. Nach der Entlassung wird das in der Klinik begonnene Pflegetraining zu Hause fortgesetzt, um den Übergang von der Klinik in die Häuslichkeit möglichst sicher zu gestalten. Empfehlen Sie bei einem Klinikaufenthalt eines Angehörigen Ihrer Kolleginnen und Kollegen, dort möglichst frühzeitig nachzufragen, ob die Klinik das Angebot der Familialen Pflege vorhält.

Im Verlauf der Pflegesituation entwickeln sich pflegende Angehörige immer mehr zu Experten und Expertinnen ihrer Pflegesituation. Die Pflegeselbsthilfe gibt die Möglichkeiten, sich mit Menschen in vergleichbaren Situationen auszutauschen, sich wechselseitig zu stärken und Zuversicht zu fördern. Die Selbsthilfe für pflegende Angehörige gibt Raum für die Bedürfnisse, Befindlichkeiten und Erlebnisse der Pflegenden. Sie ist ein Ort für wechselseitiges Verstehen und eine Kraftquelle für den Pflegealltag. In Nordrhein-Westfalen gibt es in jedem Kreis/ in jeder kreisfreien Stadt ein flächendeckendes Netz an sogenannten Kontaktbüros Pflegeselbsthilfe, die Sie zu passenden Angeboten informieren und in Gruppen vermitteln können.

Auch für pflegende Beschäftigte gibt es anerkannte Bildungsurlaubsangebote zum Themenfeld Pflegevereinbarkeit und Pflegeverantwortung. Hier reflektieren die pflegenden Beschäftigten sowohl ihre Arbeits- als auch die Versorgungssituation in der Familie und entwickeln mit fachkundiger Unterstützung individuelle Ideen zur Pflegevereinbarkeit.

Anspruch auf Arbeitnehmerweiterbildung (Bildungsurlaub) von fünf Arbeitstagen im Kalenderjahr haben entsprechend dem Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz (AWbG) Erwerbstätige mit Beschäftigungsschwerpunkt in Nordrhein-Westfalen. Diese fünf Tage Freistellung von der Arbeit bezweckt die berufliche und politische Weiterbildung, für Personen, die mindestens sechs Monate im Betrieb beschäftigt sind. Hat der Betrieb weniger als zehn Beschäftigte, so besteht kein Rechtsanspruch auf Bildungsurlaub.

Da sich Pflegesituationen oft über einen längeren Zeitraum erstrecken, ist es sehr wichtig zum Innehalten und Kräftesammeln auch für eine eigene Auszeit zu sorgen. Hierzu gibt es stationäre Vorsorge und Rehabilitations-Angebote in Kliniken der Heilbäder Ostwestfalen-Lippes und Südwestfalens.