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CaviTAU® - Transalveoläre Ultraschalldiagnostik im Zahn-Kieferbereich

Methode Transalveoläre Ultraschalldiagnostik im Zahn-Kieferbereich
(CaviTAU ®)
OPS  
Indikation Diagnostische Bildgebung bei verschiedenen Indikationen in der Zahnmedizin/Implantologie
ICD M87.-, M87.88, M87.98
Oberkategorie Diagnostik
(Haupt)Fachgebiet Zahnmedizin / Implantologie
Zuständigkeit in NR
  • Zahnmedizinische Gutachter/-innen
  • ASP Methodenbewertung (außervertraglich - IGeL)
Datum Einstellung  
Datum der letzten Bearbeitung

13.12.2023

Sollten sich aus Ihrer Auftragsbearbeitung neue Erkenntnisse ergeben, informieren Sie uns bitte darüber per Mail an die Mailbox MFB Methodenbewertung.
vorhandene Dokumente  
Kurzbeschreibung des medizinischen Hintergrundes

Da in der Zahnmedizin das Hauptinteresse dem Hartgewebe gilt, basieren die meisten bildgebenden Verfahren auf der Anwendung von Röntgenstrahlung. Für die meisten Fragestellungen/Indikationen wird dadurch eine ausreichende Diagnostik erzielt. Neben dem konventionellen Röntgen, das in jeder Zahnarztpraxis verfügbar ist, wird – als Alternative zur Computertomographie – vermehrt die digitale Volumentomographie (DVT) eingesetzt. Diese erlaubt eine dreidimensionale Rekonstruktion der knöchernen Strukturen, gehört aber bislang nicht zum GKV-Katalog (1).

Für die Erfassung dental bedingter ossärer Pathologien und möglicher Differenzialdiagnosen, stellt die Orthopantomographie (OPT oder OPG, Panorama-Schichtaufnahme) eine unverzichtbare Basisuntersuchung in allen Bereichen der Zahnheilkunde dar.

Sofern an die Detailerkennbarkeit dentogener Pathologien oder auch an die Therapiekontrolle besondere Anforderungen zu stellen sind (wie z. B. bei der Früherfassung eines Kariesrezidivs, Quantifizierung marginaler Parodontopathien, Wurzelkanallängenbestimmung, Kontrolle restaurativer bzw. endodontischer und parodontaler Therapien, Periimplantitisdiagnostik, Zahnfrakturen), werden intraorale radiologische Bildgebungsverfahren eingesetzt (2).

Während bei den auf Anwendung von Röntgenstrahlen basierenden Verfahren auch in der Zahnheilkunde eine bemerkenswerte Entwicklung bis hin zu dreidimensionalen bildgebenden Verfahren und somit auch eine wesentliche Erweiterung der Möglichkeiten zahnärztlich-oralchirurgischer, bildgebender Verfahren führte, kommt der Ultraschall in der Zahnarztpraxis zur Diagnostik selten zur Anwendung (3).

Während die Sonographie bei Ärzten überall etabliert ist, gibt es nicht zuletzt wegen der nicht reglementierten Ausbildungsanforderungen oft keine Abrechnungsgenehmigung, die Vertragszahnärzten eine gesonderte Vergütung ermöglichen würde (3).

Nur wenn sich die diagnostische Fragestellung auf Weichgewebe und angrenzende Gebiete bezieht, wird auch aus fachlichen und organisatorischen Gründen (Ausbildung/Geräteverfügbarkeit) die Sonographie bislang in den Grenzgebieten der Zahnmedizin wie beispielsweise HNO eingesetzt (1, 3).

Kurzbeschreibung der Methode

Zur transalveolären Ultraschallsonographie im Zahn-Kieferbereich ist aus den bisherigen Begutachtungen ein Gerät bekannt: CaviTAU®. Die Abkürzung "TAU" steht dabei für "Through Transmission Alveolar Ultrasonography". Das Gerät besteht aus einem Handstück mit extraoralem Ultraschall-Sender und einer enoralen Empfängereinheit.

Es werden unterschiedliche physikalische Dichten im dentoalveolären Bereich erkannt und mit entsprechenden Farben angezeigt. Die Änderungen der Knochendichte werden auch numerisch dargestellt. Die Validierung der TAU-Messwerte, die die Knochendichte anzeigen sollen und so eine Identifikation von Defekten der knöchernen Strukturen erlauben sollen, erfolgte u. a. an 210 Probanden über radiologische Standardverfahren (OPG und DVT) (4).

Evidenz

Mangels Bedarfs erfolgte zunächst keine systematische Suche nach Publikationen, die eine Aussage zum Nutzen erlauben könnten.

Ein aktuelles Review aus den USA von Betancourt (2023) (6), welches eine Übersicht verschiedener Ultraschallanwendungen in der Zahnmedizin für unterschiedliche Indikationen und Techniken gibt, kommt zum Ergebnis, dass eine ausreichende Grundlage und ein Bedarf für deren Translation aus der Forschung in die Patientenversorgung gegeben sei.

Darüber hinaus ist bekannt, dass an der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomaterialien, Zentrum für Implantologie der Uniklinik Aachen zurzeit zum Einsatz der Ultraschalluntersuchung als bildgebende Methode in der Zahnmedizin/Implantologie intensiv geforscht wird.

Leitlinien

Einige Leitlinien der Fachgesellschaften im zahnärztlichen Bereich
werden zurzeit überabeitet.

Kurzbeschreibung des Krankheitsbilds  
Urteile Bislang sind keine Urteile bekannt.
Art der Leistungserbringung Grundsätzlich kann die Transalveoläre Ultraschalldiagnostik ambulant in einer Zahnarztpraxis erbracht werden. Die Untersuchung ist bislang nicht im BEMA gelistet, so dass eine Vergütung zu Lasten der GKV für die Vertragszahnärzte nicht möglich ist.
Fazit

Ultraschall zur zahnärztlichen Diagnostik ist zurzeit als sog. Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) einzuordnen.

Publikationen mit belastbaren Daten zu den patientenrelevanten Vorteilen bzw. Nutzen sowie zu den Anforderungen/Vorgaben der Qualitätssicherung (Gerätetechnik, Ausbildung der leistungserbringenden Zahnärzte), sind dem MD Nordrhein nicht bekannt.

Auch vor diesem Hintergrund können die sozialmedizinischen Voraussetzungen zur Kostenübernahme nicht bestätigt werden. Ein Verweis auf etablierte vertragszahnärztliche Alternativen zur Diagnostik ist möglich.

Kommentar/ Hinweise
  1. Bei der sog. NICO (Neuralgia Inducing Cavityforming Osteonecrosis) oder FDOK (fettige degenerative Osteonekrose des Kieferknochens) handelt es sich um Diagnosen aus der Komplementärmedizin. Dabei ist bislang unklar, ob es sich um eine Krankheit im Sinne des § 27 SGB V handelt, die einen Leistungsanspruch der/des Versicherten auslöst.
  2. Das Verfahren stellt eine alternative Methode zur digitalen Abformung für Zahnersatz dar. Die digitale Abformung erfolgt üblicherweise mit einer Intraoralkamera im 3-D-Scan. Hier ergibt sich sozialmedizinisch keine Relevanz, da die Krankenkassen zum Zahnersatz regelmäßig sogenannte Festzuschüsse bezahlen, die an den Zahnbefunden orientiert sind und es sich bei allen Mehrkosten um eine Privatleistung handelt.
  3. Weitere Informationen und Vorgaben der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV):

Leitlinien: https://www.kzbv.de/leitlinien.844.de.html
BEMA: https://www.kzbv.de/gebuhrenverzeichnisse.334.de.html

Vgl. hierzu auch GOZ-Kommentar: https://www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/goz/nov/goz-kommentar-bzaek.pdf

 

G-BA Bewertungen / Zahnärztliche Behandlung

https://www.g-ba.de/beschluesse/zum-aufgabenbereich/43/

https://www.g-ba.de/richtlinien/124/

 

Literatur:

1.           Geibel MA, Euchner A, Rasche V. Zahnärztliches Röntgen: Neuerungen und Perspektiven. wissen kompakt. 2014;8(2):3-11.

2.           Hingst V, Weber MA. Dentale Röntgendiagnostik mit der Panoramaschichtaufnahme – Technik und typische Bildbefunde. Der Radiologe. 2020;60(1):77-92.

3.           Bach G, Schlegel A. Ultraschallverfahren in der zahnärztlich-oralchirurgischen Diagnostik. Oralchirurgie Journal 2014;3:30-4.

4.           Lechner J, Zimmermann B, Schmidt M, von Baehr V. Ultrasound Sonography to Detect Focal Osteoporotic Jawbone Marrow Defects Clinical Comparative Study with Corresponding Hounsfield Units and RANTES/CCL5 Expression. Clinical, cosmetic and investigational dentistry. 2020;12:205-16.

5.           J L. NICO – Ist fehlende röntgenologische Evidenz Beweis fehlender klinischer Existenz? ZWR ̶ Das Deutsche Zahnärzteblatt 2010;119(10).

6.           Rodriguez Betancourt A, Samal A, Chan HL, Kripfgans OD. Overview of Ultrasound in Dentistry for Advancing Research Methodology and Patient Care Quality with Emphasis on Periodontal/Peri-implant Applications. Zeitschrift fur medizinische Physik. 2023;33(3):336-86.