CytoSorb®
| Methode | CytoSorb®-Einsatz als präventive Zusatzbehandlung bei herzchirurgischem Eingriff mit Herz-Lungen-Maschine |
| OPS | 8-856 Hämoperfusion 8-821.2 Immunadsorption und verwandte Verfahren: Adsorption zur Entfernung hydrophober Substanzen (niedrig- und/oder mittelmolekular) Inkl.: Zytokin-Adsorption |
| Indikation | Grundsätzlich Verschiedene – hier Beispiel aus der Herzchirurgie |
| (Haupt)Fachgebiet |
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| Zuständigkeit in NR |
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| Datum Einstellung | 03.02.2022 |
| Autorin | Meike Hansen |
| Datum der letzten Bearbeitung | 10.01.2022 Sollten sich aus Ihrer Auftragsbearbeitung neue Erkenntnisse ergeben, informieren Sie uns bitte darüber per Mail. |
| vorhandene Dokumente | Beispielgutachten vom 12/2021 |
| Kurzbeschreibung der Methode | Die Hämoadsorption wird als Verfahren zur Behandlung von hyperinflammatorischen Zuständen, d.h. überschießenden Entzündungs- bzw. Immunreaktionen durch eine (unselektive) Entfernung von Entzündungsmediatoren eingesetzt, insbesondere von Zytokinen (proinflammatorisch wie IL-1, IL-6, TNF-α und antiinflammatorisch wie IL-10).
Bei dem eingesetzten Medizinprodukt CytoSorb® handelt es sich um einen Polystyren-Divinyl-Benzen-Copolymer-Filter des Herstellers CytoSorbents Inc., USA. Die CE-zertifizierte CytoSorb-Einheit ist ein nicht pyrogenes, steriles, polymerbasiertes Adsorptionssystem für den Einmalgebrauch, das für die Dialyse physiologischer Flüssigkeiten auf dem Gebiet der extrakorporalen Therapien entwickelt wurde.
Laut vorliegender Gebrauchsanweisung ist CytoSorb intraoperativ bei chirurgischen Eingriffen mit kardiopulmonalem Bypass zur Entfernung des P2Y12-Hemmers Ticagrelor und/oder des Faktor-Xa-Inhibitors Rivaroxaban indiziert. CytoSorb entferne nachweislich folgende Stoffe: P2Y12-Hemmers Ticagrelor, Entzündungsmediatoren/Zytokine, Faktor-Xa-Inhibitor Rivaroxaban und die sonstigen Stoffe Bilirubin und Myoglobin.
Kontraindikationen: Patienten mit einem positiven Befund einer Heparin-induzierten Thrombozytopenie (HIT), für die alternativ eine regionale Citrat-Antikoagulation nicht zur Verfügung steht. Patienten mit sehr niedriger Thrombozytenzahl (< 20.000/μL). Studienlage: siehe Beispielgutachten |
| Kurzbeschreibung des Krankheitsbilds | Die Verwendung der Herz-Lungen-Maschine (HLM) kann eine systematische Entzündungsreaktion während der Operation hervorrufen, die durch Kontaktaktivierung des Blutes durch künstliche Oberflächen ausgelöst wird (LBI 2020 – Goetz 2020). Die dysregulierte Überreaktion des Immunsystems auf eine Infektion oder andere Stimuli kann zu multiplen Organdysfunktionen führen. Patienten mit Systemic Inflammatory Response Syndrome (SIRS) oder vermuteter Sepsis weisen eine Kombination verschiedener Symptome auf. Die Symptome reichen von einem niedrigen Blutdruck, Fieber oder einer Körpertemperatur unter 36 Grad Celsius bis hin zu einer hohen Atemfrequenz, einer beschleunigten Herzfrequenz, einem veränderten mentalen Status und Anzeichen einer Hypoperfusion. Bei Herzoperation mit extrakorporaler Zirkulation kommt es etwa bei 2-10 % der Fälle zu einer schweren systemischen Entzündungsreaktion. Um eine solche systemische Inflammation zu verhindern, geht es um mögliche „präventive“ Maßnahmen, nicht um die Behandlung eines manifesten postoperativen Inflammationssyndroms. Als Standardtherapie stehen antiinfektiöse und intensivmedizinische Maßnahmen zur Verfügung. |
| Urteile | keine bekannt |
| Art der Leistungserbringung | stationär |
| Fazit | Der Einsatz des Verfahrens im Einzelfall gilt vornehmlich der Alternativen zu prüfen.
Ein Nutzenbeleg im Sinne von §§ 2 und 12 SGB V liegt nicht vor. Das Potenzial einer erforderlichen Behandlungsalternative als präventive Zusatzmaßnahme lässt sich hingegen nicht ausschließen. |
| Kommentar/ Hinweise | Als spezifische Vergütungsvereinbarung nach KHEntgG (NUB-Entgelt oder ZE), die eine Prüfung spezifischer Mehrkosten im Nachgang ermöglichen könnte, sind bekannt: ZE 2019-09 Hämoperfusion und ZE2019-09-009A.
Alternative zur Prävention der Komplikationen ist die zur Verfügung stehende Standardtherapie (antiinfektiöse und intensivmedizinische Maßnahmen). Andere Verfahren zur Zytokinreduktion (z.B. Methylprednisolon) sind bekannt.
Auch wenn die Zytokinelimination unstrittig funktioniert, sind zum präventiven Einsatz aus Ergebnissen von wenigen RCT nur inkonsistente Daten bekannt.
Das experimentelle Verfahren wird auch bei anderen Indikationen teilweise im Rahmen von Studien eingesetzt.
Eine Übertragbarkeit der Aussagen ist nicht möglich.
Literatur:
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