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Electromotive Drug Administration Therapie (EMDA®)

Methode

Electromotive Drug Administration Therapie (EMDA®) bei interstitieller Zystitis / Chronic Pelvic Pain Syndrome (CPPS)

Englisch: interstitial cystitis (IC), painful bladder syndrome (PBS), bladder pain syndrome (BPS)
OPS

8-650 Elektrotherapie

8-132.0 Manipulation an der Harnblase: Instillation
Indikation Interstitieller Zystitis (IC/BPS) / Chronic Pelvic Pain Syndrome (CPPS)
ICD

N30.1 Interstitielle Zystitis (chronisch)

R10.2 Schmerzen im Becken und am Damm
(Haupt)Fachgebiet
  • Gynäkologie
  • Urologie
Zuständigkeit in NR ASP Methodenbewertung/Pharmakologie (abhängig von Fragestellung)
Datum Einstellung 30.06.2022
Autor  
Datum der letzten Bearbeitung

28.06.2022


Sollten sich aus Ihrer Auftragsbearbeitung neue Erkenntnisse ergeben, informieren Sie uns bitte darüber per Mail an die Mailbox MFB Methodenbewertung
vorhandene Dokumente Kurzinformation MD-Nordrhein
Kurzbeschreibung des Krankheitsbildes

Die Interstitielle Zystitis (IC/BPS) ist eine nichtinfektiöse chronische Harnblasenerkrankung, die geprägt ist von Schmerzen, Pollakisurie, Nykturie und imperativem Harndrang in unterschiedlicher Ausprägung und Kombination der Symptome (Bladder Pain Syndrome, BPS). Die Diagnose der IC/BPS ist nicht an ein bestimmtes Blasenvolumen oder dauerhafte Schmerzen gebunden.
 

Charakteristisch für das Chronic Pelvic Pain Syndrome (CPPS) oder chronisches Beckenschmerzsyndrom ist ein chronischer oder über längeren Zeitraum persistierender Schmerz, der von Männern oder Frauen im Bereich des Beckens erfahren wird (Schmerzsyndrom). Das CPPS gilt zu unterscheiden von sog. „specific disease-associated pelvic pain“, z. B. im Rahmen einer Infektion oder eines Tumors im Becken. Die Behandlung richtet sich nach den Ursachen.
Kurzbeschreibung der Methode

Die EMDA®-Methode basiert auf dem Prinzip der Iontophorese und der Elektrophorese. Dabei können ionisierte und nichtionisierte Medikamente durch ein hydratisiertes Trägermolekül auf elektrochemischem Weg in tiefere Schichten der Harnblasenwand eingebracht werden. Dies stellt gegenüber der passiven Diffusion bei herkömmlichen Instillationstherapien einen kontrollierten Weg dar, intravesikal verabreichte Medikamente in tiefere Blasenwandschichten zu befördern.
 

EMDA® ist ein Medikamenten-Applikationssystem (Hersteller: Physion, Italien; Vertrieb: UROMED Kurt Drews KG, Deutschland), das ursprünglich 1996 zur Behandlung von Blasenkrebs entwickelt wurde.
 

Bei der Anwendung in der Harnblase wird das Medikament über einen speziellen transurethralen Blasenkatheter intravesikal appliziert. Der Katheter wird gleichzeitig als Elektrode genutzt und mit zwei auf dem Unterbauch angebrachten Hautelektroden verbunden. Durch das entstehende Stromfeld soll die Permeabilität des Instillats in die Harnblasenwand gesteigert werden. Der Wirkstoff verbleibt für ca. 30-40 Minuten in der Harnblase.
 

Die S2K Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Cystitis (IC/BPS), die 2018 unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie veröffentlicht wurde, enthält eine „sollte“-Empfehlung für die EMDA®-Therapie. Eine Angabe von Empfehlungsgraden wie Evidenzgraden war von den Leitlinienautoren nicht vorgesehen.
Urteile LSG Baden-Württemberg (Az. L 11 KR 3987/20 ER-B), Beschluss vom 05.02.2021 (Cave: Eilrechtsschutz, nicht maßgeblich für Auslegung des sog. Systemversagens)
Art der Leistungserbringung Ambulant erbringbar
Fazit

Bei der EMDA® (Elektromotive Drug Administration) - Therapie handelt es sich um eine Modifikation der Iontophorese, bei der Medikamente über den elektrischen Strom hochkonzentriert am Zielort appliziert werden.
 

Die Iontophorese ist erbringbar als Vertragsarztleistung in Kombination mit der Elektrotherapie als Galvanisation (Gleichstromtherapie) und unter der EBM GOP 02511 abrechenbar. Eine zusätzliche Vergütung von Sachkosten z. B. für den Blasenkathether ist (z. B. über EBM oder Sprechstundenbedarf) nicht vorgesehen.
 

Nach der aktuell gültigen Leitlinie [1] stehen zur Behandlung zunächst konservative Therapien mittels Lebensstilveränderungen, Ernährung, Physiotherapie (z. B. Beckenbodentraining), orale medikamentöse Therapie sowie (multimodale) Schmerztherapie zur Verfügung.
Kommentar/ Hinweise

Die Empfehlungen zur EMDA®-Therapie in der 2018 veröffentlichten S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Cystitis (IC/BPS)“ der Deutschen Gesellschaft für Urologie bestimmen nicht den Umfang der Leistungsansprüche von Versicherten innerhalb der GKV (siehe hierzu BSG-Urteil vom 30.06.2009, Az.: B 1 KR 5/09 R), sondern vielmehr das SGB V.
 

Da i. d. R. eine Überprüfung der Verordnungsfähigkeit von Arzneimitteln mit der Kostenübernahme der EMDA-Therapie verbunden ist, wird darum gebeten, die Aufträge zur Begutachtung von Medikamenten-Applikations­systemen ausschließlich den ASP Pharmakologie/Methodenbewertung vorzulegen.
 

Literatur:

1. S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Cystitis (IC/BPS)“ der Deutschen Gesellschaft für Urologie 2018 (gültig bis 2023) [https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-050l_S2k_Diagnostik_Therapie_Interstitielle_Cystitis_2018-10.pdf]

2. Hashemi S, Sahai A, Malde S: Applications of electromotive drug admininstration in urology. Urol Ann 2020: 12:301-8.