Endoskopische Unterdrucktherapie mit Endo-SPONGE®
| Methode | Endoskopische Unterdrucktherapie mit Endo-SPONGE® zur Behandlung von Anastomoseninsuffizienzen Synonyme: Endolumuminale Vakuumtherapie, endoluminal vacuum therapy (EVAC), Endoskopische Vakuumtherapie, Endo-Vac-Therapie,E-VAC-Therapie |
| OPS | 5-916 a4 (Anlage oder Wechsel eines Systems zur Vakuumtherapie) Endorektal Inkl.: Endorektale Vakuumtherapie zur Behandlung von Anastomoseninsuffizienzen nach tiefer anteriorer Rektumresektion bei lokaler Peritonitis mit einspiegelbarer Wundhöhle |
| ICD | K91.83 Insuffizienzen von Anastomosen und Nähten nach Operationen am sonstigen Verdauungstrakt T81.0 Blutung und Hämatom eines Eingriffes, anderenorts nicht klassifiziert Exkl.: Hämatom einer geburtshilflichen Wunde (O90.2) Blutung durch Prothesen, Implantate und Transplantate (T82.8, T83.8, T84.8, T85.8-) |
| Oberkategorie | Therapie |
| (Haupt)Fachgebiet | (Viszeral-)Chirurgie |
| Zuständigkeit in NR |
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| Datum Einstellung | 28.10.2021 |
| Autorin | Meike Hansen |
| Datum der letzten Bearbeitung | 06.10.2021 Sollten sich aus Ihrer Auftragsbearbeitung neue Erkenntnisse ergeben, informieren Sie uns bitte darüber per Mail an MFB Methodenbewertung. |
| vorhandene Dokumente | Kurzinformation |
| Kurzbeschreibung der Methode | Die endoluminale Vakuumtherapie mit Endo-SPONGE ist eine minimal invasive Methode zur schonenden Behandlung von Anastomoseninsuffizienzen im Bereich des tiefen Enddarmes. Durch einen endoskopisch in die Insuffizienzhöhle eingebrachten Tubus wird ein Schwamm, in den ein Drainageschlauch eingenäht ist, in die Höhle eingelegt (5). An den transanal ausgeleiteten Drainageschlauch wird ein Sog appliziert. Wie beim VAC-System werden so kontinuierlich infizierte Sekrete abgeleitet, während das Schwammgewebe die Bildung von Granulationsgewebe fördert. Da die Höhle bzw. der Schwamm vom umgebenden Gewebe nach Soganlage automatisch luftdicht abgeschlossen werden, ist im Gegensatz zur VAC-Therapie [Link einfügen: https://medinet.mdk-nordrhein.local/krankenversicherung/methodenbewertung/inhalte-themen-a-z/vac] von Hautdefekten ein luftdichter Verband nicht notwendig. Die endoskopische Unterdrucktherapie mit Endo-SPONGE® zur Behandlung von Anastomoseninsuffizienzen kommt in Frage bei größeren Leckagen, die weder mit Fibrinkleber noch mit Clipping versorgt werden könnten. Hierfür bleiben als Alternativen nur eine große Revisions-OP (Belastung/OP-Risiko für den Patienten) oder ein Stenting (schlechte Heilungschancen). Vor der geplanten Anwendung soll geklärt werden, ob evtl. ein nicht ausreichend sanierter bakterieller Streuherd oder ein onkologisches Rezidiv als Ursache der Persistenz der persistierenden Anastomoseninsuffizienz dient (z. B. mittels MRT). Laut Angaben des Herstellers ist eine ambulante Behandlung zum Teil möglich. Als Vorteile der Endo-SPONGE®-Therapie werden der kontinuierliche Abfluss der Wundflüssigkeit, die Kontrolle der Infektsituation sowie der gesteigerte Blutfluss und die damit einhergehende Stimulation der Bildung von Granulationsgewebe in der Literatur genannt (3). In einer systematischen Übersichtsarbeit aus 2019 wurden 17 Publikationen mit insgesamt 276 Patienten identifiziert, davon nur 2 prospektive und 15 retrospektive Datenerhebungen, die den Einsatz der endoluminalen Vakuumtherapie bei verschiedenen Indikationen und Produkten untersuchten (4). Mit einer durchschnittlichen Erfolgsrate von 85 % konnte die Notwendigkeit für weitere operative Eingriffe signifikant reduziert werden. Die Autoren weisen auf die Fachdiskussion über die Langzeitergebnisse der Methode hin bezüglich des Granulationsgewebes und die mögliche Entwicklung eines wiederkehrenden Abszesses. Weitere mögliche Komplikationen neben wiederkehrenden Abszessen sind Fisteln, wiederkehrende Anastomoseninsuffizienzenn oder persistierende Sepsis des Perineums. Alternativen: Eine operative Revision mit Debridement, evtl. Nachresektion/ Reanastomose bzw. temporärer/permanenter Anlage eines protektiven/ endständigen Anus praeter gilt als Standardbehandlung großer Leckagen (5). Die Ergebnisse der endoskopischen Stenttherapie von Insuffizienzen nach kolorektalen Eingriffen werden in der Literatur als enttäuschend beschrieben (3). |
| Kurzbeschreibung des Krankheitsbilds | Anastomoseninsuffizienz des unteren Gastrointestinaltraktes Die Folgen einer Anastomoseninsuffizienz können von einer lokalen Infektion bis hin zur generalisierten Peritonitis, Sepsis und Multiorganversagen reichen. Tritt eine Anastomoseninsuffizienz innerhalb der ersten 3 Tage nach einer Operation auf, liegt in der Regel ein operationstechnisches Problem vor. Ursache für die häufigere Insuffizienz mit Auftreten um den 5.-7. postoperativen Tag ist eine Störung der Anastomosenheilung. Während bei elektiven Eingriffen Anastomosen nach Dünndarm- oder Kolonresektionen mit geringer Insuffizienzrate und somit ausgesprochen sicher durchgeführt werden können, liegt die Rate von Insuffizienzen nach anteriorer Rektumresektion, insb. bei Anastomosen im unteren Rektumdrittel nach totaler mesorektaler Exzision über 10 %. Bei unklarer klinischer Symptomatik erfordert die Diagnose einer Anastomoseninsuffizienz zeitnahe radiologische und/oder endoskopische Untersuchungen (1). Aufgrund der Tiefe der Naht und der engen anatomischen Verhältnisse im kleinen Becken stellt die Therapie der tiefen Rektumanastomosen eine chirurgische Herausforderung dar. So ist bekannt, dass bei lokalisierten Abszesshöhlen/infizierten Verhalten in der Nähe der Anastomose vergleichbare Systeme zur intrakavitären und intraluminlaen endoskopischen Unterdrucktherapie (2) wie das Medizinprodukt Endo-SPONGE® der Firma B. Braun Melsungen genutzt werden, um die Infekthöhle sukzessiv zu verkleinern und die Ausbreitung der Infektion bis hin zur Peritonitis und Sepsis nach einem Eingriff zu verhindern. |
| Urteile | Keine relevanten Urteile bekannt. |
Art der Leistungserbringung |
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| Fazit | Aus den in orientierender Recherche identifizierten, verfügbaren Publikationen geht keine erkennbare, im Vergleich zu anderen operativen Verfahren erhöhte Patientengefährdung hervor. Der OPS 5-916 a4 ist nicht im Anhang II (Verzeichnis der ambulanten und belegärztlichen Operationen nach OPS) des aktuellen EBM enthalten. Der Einsatz des Verfahrens ist im Einzelfall vornehmlich ausgeschöpfter Alternativen unter Berücksichtigung der Vorgaben des § 2 Abs. 1a SGB V zu prüfen. Da bisher keine belastbaren Ergebnisse vorliegen, die Hinweise auf patientenrelevante Vorteile geben, kann insbesondere bei planbaren Eingriffen (Antrag zur Abgabe einer Kostenübernahmeerklärung) die Kostenübernahme aus sozialmedizinischer Sicht regelhaft nicht empfohlen werden. |
| Kommentar/ Hinweise | Die Abbildung der Sachkosten für die in der vertragsärztlichen Versorgung aufgenommene und als Sachleistung verfügbare Vakuumversiegelungstherapie (VAC) (wie die der Vakuumpumpe sowie des Verbandmaterials) erfolgt über die zum 01.10.2020 erfolgte Aufnahme der Kostenpauschalen 40900 bis 40903 in den EBM-Abschnitt 40.17.
Weitere Informationen:
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