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HiToP191

Methode

Hochtontherapie/HiToP® 191

(High Tone Electrical Muscle Stimulation, Hochton Elektrische Muskelstimulation, HTEMS, Elektrische Hochton-Wechselfeld-Therapie, High Tone Power Therapy, HiToP®, Watt Differential-Therapie, WaDiT)
OPS ./.
Indikation

Diabetische Polyneuropathie

Als weitere Indikationen werden u. a. Rückenschmerzen, degenerative Erkrankungen, Muskel- und Gelenkerkrankungen, Migräne und Kopfschmerzen, Unterstützung der Wundheilung und Ödeme genannt.
ICD Verschiedene
Oberkategorie Therapie
(Haupt)Fachgebiet
  • Neurologie
  • Physikalische und Rehabilitative Medizin
Zuständigkeit in NR ASP Methodenbewertung
Datum Einstellung 19.03.2020
Dokumentenart Kurzinfo des Medizinischen Dienstes Nordrhein
Autoren Meike Hansen/Dr. Olaf Weingart
Datum der letzten Bearbeitung

12.03.2020

Sollten sich aus Ihrer Auftragsbearbeitung neue Erkenntnisse ergeben, informieren Sie uns bitte darüber per Mail an die Mailbox MFB Methodenbewertung
Kurzbeschreibung

Kurzbeschreibung des Krankheitsbilds:

Die diabetische Polyneuropathie ist eine klinisch manifeste oder subklinische Erkrankung der peripheren Nerven, die infolge eines Diabetes mellitus auftritt. Sie kann das somatische und/oder das autonome Nervensystem betreffen. Es bestehen Assoziationen mit der Diabetesdauer, Diabeteseinstellung (Hyperglykämie), diabetischer Retinopathie, diabetischer Nephropathie, arterieller Hypertonie, Hyperlipidämie, Mediasklerose, Alkohol und Nikotin.

 

Bei chronischer schmerzhafter Polyneuropathie erfolgt in der Regel eine symptomatische medikamentöse Schmerztherapie. Zur Vermeidung von Amputationen wird neben der Kontrolle eine podologische Therapie mit gegebenenfalls erforderlicher Versorgung mit Einlagen, Schutzschuhen empfohlen.

 

Kurzbeschreibung der Methode:

Die Hochtontherapie gehört in den Bereich der physikalischen Therapie und wird der Elektrotherapie zugeordnet, speziell der sog. Mittelfrequenztherapie: 1.000 Hz bis < 100.000 Hz nach Begriffsbestimmung im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes. Die Hochtontherapie basiert auf der Anwendung elektrischer Impulse mit hoher Frequenz. Der Hochtonfrequenzbereich (etwa 1.000 Hz bis 20.000 Hz) liegt im unteren Mittelfrequenzbereich.

 

Es handelt sich um eine hochfrequente Muskelstimulation (Synonym: High Tone Electrical Muscle Stimulation, HTEMS) unter Einsatz elektrischer Wechselfelder mit etwa 4.000 bis 30.000 Impulsen pro Sekunde, die über angelegte Elektroden übertragen werden. Entwickelt hat das Verfahren der deutsche Arzt Hans-Ulrich May in den 1990er Jahren.

 

Das Besondere der HiToP® im Vergleich zur klassischen Elektrotherapie sei die gleichzeitige Modulation von Amplitude und Frequenz des Stromes. Das HiToP®-191 arbeitet hingegen  in Frequenzbereichen zwischen 4.096 bis 32.768 Hz. Der Wirkungsmechnanismus ist noch weitgehend ungeklärt.

 

Nach Angaben des Herstellers (Firma gbo Medizintechnik) ist das HiToP® 191-Gerät für die Heimanwendung einsetzbar. Das HiToP® 191-Gerät ist laut Gebrauchsanweisung geeignet zur symptomatischen Behandlung der Beschwerden bei Polyneuropathie (z. B. Schmerzen, Brennen, Kribbeln, Taubheitsgefühle) sowie zur Muskelstimulation. Durch die Muskelstimulation soll auf Grund der Stoffwechselsteigerung die Insulinsensibilität verbessert werden. Kontraindikationen werden nicht aufgeführt. Auch Patienten mit Krampfadern, Metallimplantaten, Endoprothesen und offenen Wunden (ulcus cruris) dürften nach der Gebrauchsanweisung behandelt werden.

 

Das CE-zertifizierte Medizinprodukt HiToP® 191 ist nicht im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes gelistet. Da im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes nur niederfrequente Elektrostimulationsgeräte (Frequenz bis 1 kHz) gelistet sind, kann das Verfahren auch nicht einer Produktart zugeordnet werden. Somit handelt es sich bei der beantragten Hilfsmittelversorgung nicht um eine etablierte Standardtherapie.

 

Im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes wird zu der Produktgruppe 09 „Elektrostimulationsgeräte“ unter Details zu der Produktgruppe im Feld Definition unter 1.5 Leistungsrechtliche Aussagen ausgeführt, dass für Mittelfrequenztherapie – durchgeführt im häuslichen Bereich – bisher keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege über den medizinischen Nutzen der Methode vorlägen.

 

Soweit bekannt, erfolgte bisher keine Bewertung im Gemeinsamen Bundesausschuss und die Hochtontherapie ist nicht von der Elektrotherapie in der Heilmittel-Richtlinie umfasst. Bisher liegen keine belastbaren Ergebnisse aus klinischen Studien vor, die eine ausreichende Wirksamkeit des Behandlungsverfahrens, insbesondere gegenüber Standardtherapien belegen.

 

In der Nationalen Versorgungsleitlinie zur Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter findet die HTEMS Erwähnung, wird aber aufgrund der schwachen Datenlage nicht empfohlen.

 

Als Alternative kann oft auf die EBM GOP 02511 (Elektrotherapie unter Anwendung niederfrequenter und/oder mittelfrequenter Ströme) verwiesen werden.

 

Zur Behandlung der diabetischen Polyneuropathie steht auch desweiteren eine allgemein anerkannt und medizinischem Standard entsprechende Behandlung – Medikation in Verbindung ggf. mit Krankengymnastik – grundsätzlich zur Verfügung.
Urteile

Art der

Leistungserbringung
HiTOP oder vergleichbare Geräte, die nicht in der Produktgruppe 9 im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes gelistet sind, gelten als neuartige Hilfsmittel (zur Krankenbehandlung).

Fazit

Eine Kostenübernahme von gesonderten Leistungen (IGEL/GOÄ) oder der Hilfsmittelversorgung kann sozialmedizinisch in der Regel nicht empfohlen werden.

Kommentar/Hinweise

Die Vorgaben nach § 2 Abs. 1 a SGB V (Nikolaus) oder andere Ausnahmetatbestände sind auf Grund der Erkrankung (Häufigkeit, Schweregrad und Verlauf) nicht erfüllt.

Sollten sich Fragen zur Einschätzung der Studienlage ergeben, kontaktieren Sie uns bitte per Mail an die Mailbox MFB Methodenbewertung.

Weitere Informationen zur Hochtontherapie :