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Methode Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO)
OPS 8-721 Hyperbare Oxygenation (HBO)
Indikation Verschiedene
ICD  
Oberkategorie Therapie
Zuständigkeit in NR
  • ASP SFB (zur zusätzlichen Behandlung beim diabetischen Fußsyndrom)
  • ASP Methodenbewertung (bei nicht onkologischen Fragestellungen, z. B. Wundheilung außer bei diabetischem Fußsyndrom)
  • KCO (bei Zielsetzung Therapie der onkologischen Grunderkrankung)
  • KHF (bei Prüfung im Nachgang)
Datum der Einstellung 06.11.2020
Autoren Meike Hansen/ Dr. Olaf Weingart
Datum der letzten Bearbeitung 22.10.2020

Sollten sich aus Ihrer Auftragsbearbeitung neue Erkenntnisse ergeben, informieren Sie uns bitte darüber per Mail an die Mailbox MFB Methodenbewertung
vorhandene Dokumente SFB-Arbeitshilfe HBO bei diabetischem Fußsyndrom
Kurzbeschreibung

Kurzbeschreibung der Methode:
 

Die HBO besteht aus dem Atmen reinen Sauerstoffs (oder eines Luftgemisches mit einem Sauerstoffanteil über 21 %, üblicherweise jedoch 100 %) bei einem Druck, der über dem normalen atmosphärischen Druck liegt. In der praktischen Anwendung sind absolute Drücke von 2 bis 3 Bar (2 bis 3 Atmosphären absolut [ATA]) üblich. Der Patient befindet sich bei der HBO in einer Druckkammer. Eine Therapiesitzung dauert gewöhnlich 45 bis 120 Minuten und wird täglich über einen Zeitraum von mehreren Wochen durchgeführt. Abzugrenzen von der HBO, bei der die Sauerstoffaufnahme primär über die Lunge erfolgt, sind lokale Sauerstoffapplikationen, bei denen lediglich das betroffene Bein in einer Druckkammer platziert wird.

 

Das Atmen des Sauerstoffgemisches bei erhöhtem Umgebungsdruck soll einer Sauerstoffunterversorgung im Gewebe (Hypoxie) entgegenwirken. Ein Großteil des Sauerstoffs im Blut ist an Hämoglobin gebunden, die Sättigung beträgt unter normalen Druckverhältnissen im arteriellen Blut 97 %. Ein geringer Teil des Sauerstoffs ist im Blutplasma gelöst. Diese gelöste Sauerstoffmenge kann durch die Erhöhung des Umgebungsdrucks (wie bei der hyperbaren Sauerstofftherapie) und die damit einhergehende Erhöhung des Sauerstoffpartialdrucks gesteigert werden. Auch Gewebestrukturen sollen so mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden, die bei einer normalen oder eingeschränkten Sauerstoffspannung nicht erreicht werden. Durch die Anhebung des Sauerstoffpartialdrucks in den Körpergeweben soll die Sauerstoffversorgung maximiert werden und dadurch die Funktionsfähigkeit des Gewebes verbessert werden, um die Wundheilung anzuregen.

 

Zu den Nebenwirkungen der hyperbaren Sauerstofftherapie zählen beispielsweise Barotraumen und Rupturen des Trommelfells, Reizungen der Atemwege und temporäre Sehstörungen. Insgesamt jedoch liegt die Rate der Nebenwirkungen heute bei unter 2 %, und die Therapie mit hyperbarem Sauerstoff gilt somit als sicher.

 

Grundsätzlich kann das Verfahren zur lokal begrenzten Therapie auch ambulant angewendet werden. Im vertragsärztlichen-Bereich ist es NUB im Sinne von § 135 SGB V, da das Verfahren nicht im aktuellen EBM außer für das diabetische Fußsyndrom und der OPS nicht in der Zuordnung der Prozeduren nach § 295 SGB V (Anlage II des aktuellen EBM) gelistet ist.

 

Nach Anlage I der Richtlinie Methoden Krankenhausbehandlung („Methoden, die für die Versorgung mit Krankenhausbehandlung erforderlich sind“) ist die hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) vom G-BA zuletzt überprüft und als Krankenhausleistung (nur) bei den folgenden Diagnosen anerkannt:

  • Dekompressionskrankheit, 
  • Kohlenmonoxidvergiftung,
  • Arterielle Gasembolie,
  • Rezidiv eines Neuroblastoms im Stadium IV,
  • Clostridiale Myonekrose,
  • Zusätzlicher Behandlung des diabetischen Fußsyndroms.

 

Nach § 4 der Richtlinie Methoden Krankenhausbehandlung ist die HBO von der Leistungspflicht nach § 137c SGB V generell ausgeschlossen bis auf im Einzelfall ggf. unter § 2 Abs. 1a SGB V zu prüfende Ausnahmen bei:

  • Myokardinfarkt,
  • Erstmanifestation eines Neuroblastoms im Stadium IV,
  • Weitwinkelglaukom,
  • Morbus Perthes,
  • Schädelhirntrauma,
  • Brandwunden,
  • idiopathischer Femurkopfnekrose des Erwachsenen,
  • bei diabetischem Fußsyndrom. (Unberührt von diesem Ausschluss bleibt die hyperbare Sauerstofftherapie zur zusätzlichen Behandlung des diabetischen Fußsyndroms, unter definierten Bedingungen.)
Urteile

LSG Hamburg vom 28.03.2019 (Az.: L 1 KR 122/17)
HBO bei Tinnitus (kein Ausnahmetatbestand)

Art der Leistungserbringung Grundsätzlich auch ambulant möglich, jedoch nicht im Leistungskatalog der GKV (NUB im Sinne von § 135 SGB V) außer beim diabetischem Fußsyndrom.
Fazit
  • Die HBO ist im ambulanten Bereich, außer beim diabetischen Fußsyndrom, nicht von der Leistungspflicht der GKV umfasst.
     
  • Die Begutachtung erfolgt nach der entsprechenden Begutachtungsanleitung „Außervertragliche neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB)“ vom 08.10.2008.
  • Für stationäre Leistungserbringung sind die Hilfen des MFB SV zu  Anfragen im Vorfeld einer stationären Behandlung ggf .auch als
     
  • Textbaustein prästationär zu berücksichtigen, ggf. ist es hilfreich auf den Verbotsvorbehalt hinzuweisen/ggf. Hinweis auf fehlendes Muster 2

 

Bei Fragen zur Prüfung einer Therapie in einem zugelassenen Krankenhaus im Vorfeld erfolgte eine gelegentlich eingeforderte Abgabe einer Kostenübernahmerklärung zum Eingriff ggf. auch außerhalb der Verträge. Daher ist eine Abgabe einer Kosten­übernahmeerklärung nur unter Bedingungen § 2 Abs. 1a SGB V und auf die Regularien der Vergütung zu verweisen. Es sollte daher immer eine Einzelfall bezogene Aussage zum gesonderten Anspruch aus § 2 Abs. 1a SGB V erfolgen.
Kommentar/Hinweise

Bei unklarem Auftrag ggf. klären, ob HBO ambulant oder stationär erfolgen soll.

 

Sollten sich Fragen zur Einschätzung der Studienlage ergeben, kontaktieren Sie uns bitte per Mail an die Mailbox MFB Methodenbewertung.

 

Weitere Informationen:
 

Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung. Lokaltherapie chronischer Wunden bei Patienten mit den Risiken periphere arterielle Verschlusskrankheit, Diabetes mellitus, chronische venöse Insuffizienz 2012 (gültig bis 2017, derzeit in Überarbeitung)