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LAight® -Therapie

Methode LAight® -Therapie bei Hidradenitis suppurativa/Acne inversa
OPS ./.
Indikation Hidradenitis suppurativa/Acne inversa
ICD L73.2 Hidradenitis suppurativa
Oberkategorie Therapie
(Haupt)Fachgebiet Haut- und Geschlechtskrankheiten
Zuständigkeit in NR ASP Methodenbewertung
Datum Einstellung 11.06.2024
Autor/Autorin MFB Methodenbewertung

Datum der letzten Bearbeitung

07.06.2024

Sollten sich aus Ihrer Auftragsbearbeitung neue Erkenntnisse ergeben, informieren Sie uns bitte darüber per Mail an die Mailbox MFB Methodenbewertung
vorhandene Dokumente Gutachten des MD Bund vom 26.01.2024
Kurzbeschreibung des Krankheitsbilds

Hidradenitis Suppurativa (HS) / Acne inversa (AI) ist eine chronisch rezidivierende, entzündliche, potenziell mutilierende Hauterkrankung des terminalen Haartalgdrüsenapparats, die sich mit schmerzhaften, entzündlichen Läsionen in den apokrinen drüsenreichen Körperregionen manifestiert, insbesondere in der axillären sowie der Inguinal- und Anogenitalregion. Die Erkrankung der Terminalfollikel in den Hautumschlagsfalten kann zu ausgeprägten Vernarbungen und Behinderungen führen und eine hohe Krankheitslast aufweisen (1).
 

Es wird angenommen, dass die Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung bei etwa 1 % liegt (6), wobei gerade zu Beginn der Erkrankung eine hohe Dunkelziffer vermutet wird, da die Diagnose erst Jahre nach der ersten Symptomatik gestellt wird.
 

Die HS/AI wird in zwei Formen im Zusammenhang mit der Ausprägung der stets nachweisbaren Entzündung eingeteilt: entzündliche und vorwiegend nicht entzündliche Form. Während die Intensität der entzündlichen Form mithilfe z. B. der IHS4-Klassifikation (International Hidradenitis Suppurativa Severity Scoring System) in milde, mittelschwere und schwere HS/AI eingeteilt und entsprechend medikamentös behandelt wird, wird für die vorwiegend nicht entzündliche Form über eine chirurgische Behandlung nach dem Hurley-Score der befallenen Lokalisation entschieden:
 

  • Stadium/Grad I: entzündete Knoten / einzelne Abszesse; keine Fisteln; keine Vernarbung
  • Stadium/Grad II: mehrere entzündete Knoten/Abszesse mit Fisteln und/oder Narben
  • Stadium/Grad III: flächiger Befall mit Abszessen, Fisteln und Narbenzügen (1-3).

Für die vorwiegend nicht entzündliche Form der Erkrankung stehen verschiedene operative Verfahren zur Verfügung. Die Kombination einer medikamentösen Therapie zur Reduktion der Entzündung mit einem operativen Verfahren, zur Beseitigung des irreversiblen Gewebeschadens, gilt aktuell als ganzheitliches Therapieverfahren bei HS/AI.
Kurzbeschreibung der Methode

Bei der LAight® -Therapie handelt es sich um eine Kombinationstherapie aus intensiv gepulstem Licht (IPL) und Radiofrequenz (RF), die dem entzündlichen Prozess bei AI/HS entgegenwirken soll.
 

Bei der ambulant durchführbaren LAight®-Therapie werden die betroffenen Hautareale mit einer Kombination aus polychromatischem Licht und elektromagnetischen Frequenzen bestrahlt. Die Bestrahlung erfolgt durch ein speziell für die LAight®-Therapie entwickeltes Gerät nach einem individuell auf den Patienten abgestimmten Therapieplan. Dieser beinhaltet zunächst meist eine Bestrahlung der betroffenen Hautpartien in einem Abstand von zwei Wochen. Therapieziel ist die Reduktion der Anzahl der entzündlichen Läsionen und Erhöhung der Lebensqualität der Betroffenen.
 

Mögliche Nebenwirkungen sind laut Hersteller-Angaben anhaltendes Wärmegefühl und Rötung der behandelten Areale, welche in der Regel nach 24 Stunden abklingen, sowie erhöhter Juckreiz und Pigmentstörungen. In sehr seltenen Fällen können eine Beschädigung der Hautoberfläche (z. B. Verbrennungen und Blasen) sowie Ödeme, brüchige Haut und vermehrt Blutergüsse auftreten.
 

Kontraindikationen an den zu behandelnden Körperregionen sind laut Hersteller:

  • Melanom oder Hautkrebs
  • ansteckende Hautkrankheiten
  • Tattoos, Piercings, Permanent Make-up oder Branding
  • Unterspritzungen (innerhalb der letzten 6 Monate)
  • Implantate im Radius von 10 cm.


Generell sollte das Verfahren nicht in der Schwangerschaft, bei Epilepsie, Herzschrittmacher/ -stimulator oder extremer Fotosensitivität angewandt werden (3-6).

Der G-BA hat am 18.04.2024 auf Antrag des GKV-Spitzenverbandes die Bewertung der Bestrahlung der Haut mit einer Kombination aus intensiv gepulstem Licht und Radiofrequenz zusätzlich zur topischen Antibiotikabehandlung bei Patienten mit Hidradenitis suppurativa Stadium I und II (Hurley Score) gemäß § 135 Absatz 1 Satz 1 SGB V die Beratung der Bestrahlung der Haut mit intensiv gepulstem Licht und Radiofrequenz bei Hidradenitis suppurativa beschlossen.

Evidenz

Das speziell für die LAight®-Therapie entwickelte Gerät, wurde im Rahmen einer kleinen RCT an 47 Patienten an der Uniklinik Mainz (NICE-Studie) untersucht zum Vergleich einer Kombinationstherapie von IPL+RF gegenüber einer Mono-Therapie mit IPL bzw. RF (5).
 

Die RCT an der Hautklinik der Uniklinik Mainz mit 88 Patienten, welche die LAight®-Therapie als Zusatztherapie zur leitliniengerechten medikamentösen Therapie bei Patienten mit Hidradenitis suppurativa untersucht (RELIEVE), zeigte eine signifikant verbesserte Differenz des International Hidradenitis suppurativa Score (IHS4) nach 16 Wochen im Vergleich zur Baseline.
 

Das Grundsatzgutachten des MD Bund aus 2/2024 (6) beschäftigte sich mit dem Nutzen der LAight-Therapie im Vergleich zu anderen Verfahren oder keiner Therapie in Bezug auf patientenrelevante Endpunkte. Es wurden Publikationen zu vier Primärstudien als relevant für das Gutachten betrachtet (RELIEVE, NICE, Lyons 2022 – kleine Split-Body-Studie mit
10 Teilnehmenden aus den USA, EsmAiL – ehemaliges Projekt des Innovationsfonds des G-BA zur Evaluation eines strukturierten und leitlinienbasierten multimodalen Versorgungskonzepts für Menschen mit Acne inversa).
 

In der endpunktübergreifenden Gesamtbewertung ergibt sich ein Hinweis auf einen Nutzen einer zusätzlichen LAight®-Therapie gegenüber einer alleinigen (topischen) medikamentösen Therapie bei Akne inversa mit Schweregrad Hurley I und II. Dies begründet sich vor allem durch statistisch signifikante und klinisch relevante Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen bezogen auf die Schwere der Erkrankung und das Therapieansprechen in einer Studie (6).

Leitlinien

Seit Februar 2024 steht eine aktualisierte S2k-Leitlinie zur Therapie der Hidradenitis suppurativa/Acne inversa (ICD-10-Code: L73.2) zur Verfügung (1).
 

Anhand positiver Studienergebnisse zur LAight®-Therapie besteht ein Konsens der Leitlinien-Autoren, dass eine kombinierte Anwendung von LAight-Therapie und topischem Clindamycin als Alternative zur topischen Clindamycin-Monotherapie bei milder und mittelschwerer HS/AI empfohlen werden sollte (1). Neben der schwachem Empfehlung für die Kombinationstherapie von IPL und RF mit topischem Clindamycin enthält die Leitlinie eine schwache Empfehlung mit mehrheitlicher Zustimmung für eine Erhaltungstherapie mit IPL und RF als Monotherapie.

Alternativen

Je nach klinischem Befund steht topische oder orale systemische antibiotische Therapie zur Verfügung sowie ein monoklonaler Antikörper. Der humanisierte monoklonale IgG1-Antikörper Bimekizumab ist seit Mai 2024 zugelassen zur medikamentösen Behandlung erwachsener Patienten mit aktiver mittelschwerer bis schwerer Hidradenitis suppurativa / Acne inversa, die unzureichend auf eine konventionelle systemische HS/AI-Therapie ansprechen. Der TNF-α-Inhibitor Adalimumab und der IL-17A-Hemmer Secukinumab sind weitere, zugelassene Substanzen für die medikamentöse Behandlung der HS/AI (bitte stets aktuelle Fachinformationen beachten). Diese Medikamente werden für mittelschwere und schwere Formen aktiver HS/AI bei Patienten, die unzureichend auf eine konventionelle systemische HS/AI Therapie ansprechen, vorgehalten.
 

Bei weiblichen Patientinnen soll (ggf. gemeinsam mit einem Facharzt für Gynäkologie) bei Bedarf hormonelle antiandrogene Therapie eingeleitet werden. Kombinationen der o. g. Medikamente bzw. der medikamentösen Behandlung und der chirurgischen Maßnahmen im Sinne eines ganzheitlichen Therapiekonzepts kommen bei mittelschwerer bis schwere Form infrage.

 

Konventionell-chirurgische Eingriffe (Inzision, Exzision, Drainage etc.) bleiben eine tragende Säule bei der Behandlung sowohl von einzelnen, tiefen und vernarbenden Läsionen (Hurley II) als auch der extensiven, vorwiegend nicht-entzündlichen Formen (Hurley III) der HS/AI.
Urteile keine bekannt

Art der

Leistungserbringung
Ambulant
Fazit

Die LAight®-Therapie bei Hidradenitis Suppurativa (HS)/Acne inversa ist bislang nicht Bestandteil des EBM und formal NUB nach § 135 Abs. 1 SGB V.
 

Ob einzelne gesetzliche Krankenkassen im Rahmen von Verträgen zur Besonderen Versorgung nach § 140a SGB V den Versicherten bei erfüllten medizinischen Voraussetzungen eine Anspruchnahme der Leistung ermöglichen, ist dem MD nicht bekannt.
 

Die Voraussetzungen des § 2 Abs. 1a SGB V sind beim Krankheitsbild „Hidradenitis suppurativa/Acne inversa“ in der Regel nicht erfüllt.
 

Der G-BA hat am 18.04.2024 die Bewertung der Bestrahlung der Haut mit einer Kombination aus intensiv gepulstem Licht und Radiofrequenz zusätzlich zur topischen Antibiotikabehandlung bei Patienten mit Hidradenitis suppurativa Stadium I und II (Hurley Score) gemäß § 135 Absatz 1 Satz 1 SGB V die Beratung der Bestrahlung der Haut mit intensiv gepulstem Licht und Radiofrequenz bei Hidradenitis suppurativa beschlossen.
 

In Hinblick auf das Ergebnis des aktuellen Gutachtens des MD Bund kann in geeigneten Fällen - nach Ausschluss von Kontraindikationen und bei hautärztlich bestätigtem Stadium I oder II nach Hurley - eine Anwendung der LAight®-Therapie zusätzlich zur Standardbehandlung medizinisch nachvollzogen werden.
Hinweise

Link zum G-BA Beschluss vom 19.04.2024:

Literatur:

1.   Zouboulis CC, Bechara FG, Fritz K, Goebeler M, Hetzer FH, Just E, et al. S2k-Leitlinie zur Therapie der Hidradenitis suppurativa/Acne inversa (ICD-10-Code: L73.2). Aktuelle Dermatologie. 2024;50(01/02):30-83.

2.   Sabat R. Acne inversa/Hidradenitis suppurativa: Eine Herausforderung fur die Zukunft. Hautarzt. 2017;68(12):994-8.

3.   Lenicura. Die LAight®-Therapie Wiesbaden: LENICURA GmbH;  [Zugriff: 07.03.2024]. Verfügbar: https://www.laight.de/therapie#concept.

4.   Schultheis M, Staubach P, Nikolakis G, Grabbe S, Ruckes C, von Stebut E, et al. LAight(R) Therapy Significantly Enhances Treatment Efficacy of 16 Weeks of Topical Clindamycin Solution in Hurley I and II Hidradenitis Suppurativa: Results from Period A of RELIEVE, a Multicenter Randomized, Controlled Trial. Dermatology. 2022;238(3):476-86.

5.   Wilden S, Friis M, Tuettenberg A, Staubach-Renz P, Wegner J, Grabbe S, et al. Combined treatment of hidradenitis suppurativa with intense pulsed light (IPL) and radiofrequency (RF). J Dermatolog Treat. 2021;32(5):530-7.

6.     Becker M, Lichterfeld-Kottner A. Guatchten - LAight-Therapie bei Akne inversa (Hidradenitis suppurativa). Essen: Medizinischer Dienst Bund; 2024 07.03.2024]. Verfügbar: md-bund.de/fileadmin/dokumente/Publikationen/GKV/Methodik/LAight_Gutachten_MD_Bund_240222.pdf.