Direkt zum Inhalt Direkt zur Navigation

MCAD (Medium-chain Acyl-CoA-Dehydrogenase )Mangel

a

Methode

MCAD (Medium-chain Acyl-CoA-Dehydrogenase )Mangel
Indikation Bestätigungsdiagnostik nach positivem Screening
ICD E 71.3 V
Oberkategorie Diagnostik
(Haupt)Fachgebiet Pädiatrie/Labormedizin
Zuständigkeit in NR ASP Methodenbewertung
Datum Einstellung 10.08.2022
Datum der letzten Bearbeitung 27.07.2022
Autor Dr. Olaf Weingart
vorhandene Dokumente Kurzinformation des MFB Methoden MD Nordrhein
Kurzbeschreibung

"Beim Medium-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase (MCAD)-Mangel handelt es sich um eine seltene mit Prävalenz: 1: 10.000 Neugeborene) hereditäre Stoffwechselerkrankung.

Infolge einer Aktivitätsminderung des Enzyms "Mittelkettige Acyl-CoA-Dehydrogenase“ langkettige Fettsäuren, die im Fett der Nahrung und im (gespeicherten) Unterhautfett des Organismus enthalten sind, nur zum Teil abgebaut werden. Dementsprechend können sie weniger Energie als üblich liefern. Gleichzeitig ist auch die Produktion von Ketonkörpern, welche wichtige Energielieferanten während längerer Nüchtern-/ Hungerperioden sind, eingeschränkt.

Da eine frühzeitige Behandlung vor der Manifestation klinischer Symptome die Prognose für viele Patienten mit angeborenen Stoffwechselkrankheiten verbessert ist diese im Neugeborenenscreening-gemäß Kinder-Richtlinie seit 2019 als eine der Zielkrankheiten berücksichtigt.

 

Bei frühzeitiger Diagnosestellung und konsequenter Vermeidung kataboler Stoffwechsellagen können Entgleisungen in den allermeisten Fällen vermieden werden, so dass sich die Kinder völlig normal entwickeln können.

Um milde Defekte sicher zu identifizieren, wird neben der Zweituntersuchung der Acylcarnitine weitere Diagnostik empfohlen

Auch die Bestimmung von organischen Säuren im Urin können unauffällig sein und erlauben daher keinen sicheren Ausschluss eines MCAD-Mangels (1). Wenn auch eine genetische Diagnostik bei einigen Krankheiten mit hoch­prävalenten pathogenen Varianten die Diagnose oft schnell sichern kann, ist zu berücksichtigen dass ein negativer molekulargenetischer Befund bei den derzeit in der Routine angewandten Methoden eine Verdachtsdiagnose nicht ausschließt.

 

Die gelegentlich als Einzelleistung beantragte Konfirmationsdiagnostik der MCAD Aktivität in den Lymphozyten wird bei positivem Screening durchgeführt, da es als nicht vollständig geklärt gilt, in wie weit welche Mutationen auch wirklich Krankheitswert besitzen und welche Kinder gefährdet sind.

So lässt sich seit Jahrzehnten In Leukozyten oder Fibroblasten Kulturen lässt sich die Enzymaktivität der MCAD bestimmen, die bei Patienten unter 20 % liegt (2).

Neuere Publikationen Untersuchungen geben Hinweise, das bei unbekannten Genotypen die Messung der Aktivität des Enzyms Medium-chain acyl-CoA Dehydrogenase in Lymphozyten weiter geeignet sind das Erkrankungsrisiko zu bestimmen (3).

 

In Anträgen wird argumentiert das eine negative Gendiagnostik der Homozygoten und Compound Heterozygoten den Verdacht nicht ausschließt und eine Aussage über Grad der Funktionseinschränkungen des Enzymdefekts nicht möglich sei. In Ergänzung der in den Leitlinien bei positivem Screening empfohlenen  Untersuchungen wie organische Säuren im Urin, Mutationsanalytik (1) ist das Vorgehen aus medizinischer Sicht weiter nachvollziehbar (4).
Urteile keine bekannt
Art der Leistungserbringung

In Nordrhein wird gelegentlich ein Antrag auf außervertragliche Leistung eines wissenschaftlichen Labors für Klinische Biochemie am  Universitätsklinikum Freiburg Brsg. vorgelegt. Hierzu wird ausgeführt das das beantragende Labor der Uniklinik Freiburg sei in Deutschland das einzige, welches diese Diagnostik durchführe.

Die Kosten wurden bislang mit ca. 700,00 Euro angegeben.
 

Im Rahmen der Recherche konnte noch am Institut für Laboratoriumsmedzin und Klinische Chemie der Universitätsklinikum  Leipzig ein vergleichbares Untersuchungsangebot identizfiziert werden.
 

Abrechnungsmodalitäten der Labore mit der GKV sind dem MD-NR nicht bekannt.
Fazit Auch wenn bei Antragsleistungen Vergütungsfragen offen sind, ist das medizinische Vorgehen zu einer umfassenden und im Einzelfall meist eiligen Konfirmationsdiagnostik bei Verdacht auf MCAD-Mangel regelhaft nachvollziehbar.
Kommentar/ Hinweise

Hinweis zu gestrichenen Labororleistungen, die in der Vergangenheit von Leistungspflicht der GKV ausgeschlossene Quantitative Bestimmung von Substraten, Enzymaktivitäten oder Elektrolyten beziehen sich auf andere Verfahren und Erkrankungen. GOP 32080 und 32088 und 32093 (alt).  Quelle Laborkompendium der KBV         https://www.kbv.de/html/82.php


Literatur:

  1. Gramer G, Lindner M, Santer R, Spiekerkötter U, Sara T. Konfirmationsdiagnostik bei Verdacht auf angeborene Stoffwechselkrankheiten aus dem Neugeborenenscreening. 2019. Leitlinie der Dt. Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Verfügbar: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/027-021.html.
  2. Zschocke J, Schulze A, Lindner M, Fiesel S, Olgemöller K, Hoffmann GF, et al. Molecular and functional characterisation of mild MCAD deficiency. Human Genetics. 2001;108(5):404-8.
  3. Sturm M, Herebian D, Mueller M, Laryea MD, Spiekerkoetter U. Functional Effects of Different Medium-Chain Acyl-CoA Dehydrogenase Genotypes and Identification of Asymptomatic Variants. PLOS ONE. 2012;7(9):e45110.
  4. Alcaide P, Ferrer-López I, Gutierrez L, Leal F, Martín-Hernández E, Quijada-Fraile P, et al. Lymphocyte Medium-Chain Acyl-CoA Dehydrogenase Activity and Its Potential as a Diagnostic Confirmation Tool in Newborn Screening Cases. Journal of clinical medicine. 2022;11(10).