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MRT der Mamma

Methode MRT-Untersuchung der Brustdrüse (Mamma-MRT)
OPS/EBM

Die MRT-Untersuchung der weiblichen Brustdrüse ist unter der GOP 34431 im EBM abgebildet. Unter Beachtung der Vorgaben zur Durchführung und Indikationsstellung kann sie als vertragsärztliche Leistung unter folgenden Bedingungen erbracht werden:

  • zum Rezidiv-Ausschluss (frühestens sechs Monate nach der Operation oder 12 Monate nach Beendigung der Bestrahlungstherapie) eines histologisch gesicherten Mammakarzinoms nach brusterhaltender Therapie, auch nach Wiederaufbauplastik, für den Fall, dass eine vorausgegangene mammographische und sonographische Untersuchung die Dignität des Rezidiv-Verdachtes nicht klären konnte oder
  • zur Primärtumorsuche bei axillärer(n) Lymphknotenmetastase(n), deren histologische Morphologie ein Mammakarzinom nicht ausschließt, wenn ein Primärtumor weder klinisch noch mittels mammographischer und sonographischer Untersuchung dargestellt werden konnte.

Hinweis: die dem MRT zugeordneten OPS Schlüsselcodes sind:​​​​​​​

  • 3-807 Native Magnetresonanztomographie der Mamma​​​​​​​​​​​​​​
  • 3-827 Magnetresonanztomographie der Mamma mit Kontrastmittel
ICD

N60-N64 Krankheiten der Mamma [Brustdrüse]
T85.82 Kapselfibrose der Mamma durch Mammaprothese oder -implantat
T85.83 Sonstige Komplikationen durch Mammaprothese oder -implantat

Z80.3 Bösartige Neubildung der Brustdrüse [Mamma] in der Familienanamnese (Zustände, klassifizierbar unter C50.-)
C50.- Bösartige Neubildung der Brustdrüse [Mamma]
Hinweis: korrekte Zuständigkeit bzw. Abgrenzung zu onkologischen Fällen beachten https://medinet.mdk-nordrhein.local/krankenversicherung/kco/vorgaben/qmd-kurzinformation-zentralisierung-aktenlagen-ga-von-nub-und-arzneimitteln-ambstat-im-fachgebiet-onkologie

Oberkategorie Diagnostik
(Haupt)Fachgebiet

Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Radiologie
Onkologie

Bearbeitung in NR
  • ASP Methodenbewertung 
  • ​​​​​​​KCO (bei onkologischen Fragen, die nicht fallabschließend durch die ASP Methodenbewertung beantwortet werden können sowie Begutachtungen onkologischer Fragen im Widerspruch)
Erstellt durch MFB Methodenbewertung; Abgestimmt mit KCO und AG Gynäkologie
Datum der letzten Bearbeitung

06.11.2024
Sollten sich aus Ihrer Auftragsbearbeitung neue Erkenntnisse ergeben, informieren Sie uns bitte darüber per E-Mail an die Mailbox MFB Methodenbewertung.

vorhandene Dokumente Eintrag des MD Baden-Württemberg in Confluence (MD BW 17.11.2020, überprüft 22.03.2024)
Kurzbeschreibung des Krankheitsbildes bzw. der Krankheitsbilder

Brustveränderungen bei Frauen mit klinischer Symptomatik sind meist benigne, in 3-6 % liegt ein Mammakarzinom zugrunde.
Benigne Brusterkrankungen sind durch selektiven Einsatz der diagnostischen Möglichkeiten und interdisziplinären Zusammenarbeit sicher von malignen Läsionen abgrenzbar (1).

Eine Sonderform sind Gewebsveränderungen, die nach Brustimplantaten auftreten. Neben der frühen postoperativen Komplikationen (Nachblutung, Wundinfektion und Heilungsstörung) können spätere (Rotation, Hernienbildung, Kapsulitis, Kapselfibrose) und sehr späte Komplikationen (Gelbluten, intra- und extrakapsuläre Ruptur) auftreten (2).

Die Kapselfibrose ist eine der häufigsten Komplikationen nach Implantat-basierter Brustoperation und einer der häufigsten Gründe für eine Reoperation (3).

Da Implantate häufig nach operativer Therapie eines Mammakarzinoms mit medizinischer Indikation eingesetzt werden, können sich aus dem individuellem Karzinom-Rezidivrisiko auch bei sonst gutartigen Veränderungen weitere Fragestellungen ergeben, die zwecks Ausschluss eines Karzinoms oder Nachsorge eine MRT-Diagnostik erfordern (4).

Für Patientinnen mit familiärem Brustkrebsrisiko (beispielsweise mit  nachgewiesener genetischer Prädisposition wie BRCA1 und BRCA2) existieren strukturierte Maßnahmen der intensivierten Früherkennung (iFE) und postoperativen Nachsorge nach Krebsbehandlung (5), die ähnliche Empfehlungen zum Einsatz der MRT Diagnostik, wie sie in der deutschen S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms aus 2021 (4) hinterlegt sind, geben. Die ASV-Richtlinie zur MRT-Untersuchung der Mamma regelt die Leistung für die Patientinnen mit hoher Dichte des Drüsenkörpers oder bei eingeschränkter Beurteilbarkeit der Befunde, wenn eine Biopsie problematisch ist (z. B. wegen ausgeprägter Vernarbungen, multipler Befunde oder extremer Lokalisation), sofern eine interdisziplinäre Tumorkonferenz eine entsprechende Empfehlung abgegeben hat.

Bei Vorliegen des Verdachts auf ein Mammakarzinom bei biologischen Männern (6) ist die Abklärung, Diagnostik und Behandlung an zertifizierten Brustzentren empfohlen. Das weitere Vorgehen unterscheidet sich im Wesentlichen nicht von den Empfehlungen für Frauen. Fragen der rechtlichen/formalen Geschlechtsidentität sind für die Begutachtung der Methode unter Berücksichtigung der medizinischen Aspekte nicht relevant (7).

Kurzbeschreibung der Methode

Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT, Kernspintomographie) ist ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung von Strukturen im Inneren des Körpers, welches im Vergleich zur Computertomographie (CT) und anderen Verfahren eine bessere Weichteildarstellung erlaubt.
Die MRT nutzt die Kombination von Magnetfeld und HF-Impuls zur Anregung von Wasserstoffprotonen und keine ionisierenden Strahlen wie beim Röntgen oder CT. Bereits in den 1980er Jahren wurde mit der MRT der Mamma ein alternatives, hochsensitives Verfahren zu der auf Röntgenstrahlen basierenden Darstellung der Veränderungen in der Brustdrüse eingeführt. Die kontrastmittelverstärkte MRT der Mamma gilt als das sensitivste Verfahren zum Nachweis von brustkrebstypischen Veränderungen (8). Das Kontrastmittel dient dazu, eventuell vorhandene Tumore, gegenüber dem normalen Brustdrüsengewebe, durch deren vermehrte Durchblutung abgrenzen zu können. Da dieses Vorgehen relativ aufwendig ist, wird zurzeit eine Alternative zur kontrastmittelverstärkten MRT, die sog. Diffusionsbildgebung erprobt. Ihre alleinige Anwendung im Rahmen kontrastmittelfreier Protokolle befindet sich noch in der Erprobungsphase (8).

Evidenz Eine im Oktober 2024 durchgeführte orientierende Suche in den Fachdatenbanken ergab keine Publikationen, die einen Hinweis auf diagnostischen Nutzen der Mamma-MRT über die geltenden Vorgaben der G-BA Richtlinie Methoden Vertragsärztliche Versorgung hinaus belegen könnten.
Leitlinien Nachdem jahrelang Mamma-MRT als einzige Option für die Diagnostik bei Implantatrupturen angesehen wurde, wird diese zuletzt im Rahmen der postoperativen Nachsorge bei asymptomatischen Patientinnen zum sog. Ruptur-Screening und Verdacht auf Fremdkörperverbleib im nicht onkologischen Kontext, auch gemäß aktueller Übersicht evidenzbasierter US-amerikanischer und britischer Leitlinienempfehlungen, nicht mehr empfohlen (9). Mit Kochsalzlösung gefüllte Brustimplantate bedürfen auch bei Produktdefekten zur Vermeidung von Folgeerkrankungen keine weitere spezifische Diagnostik.
Alternativen Für die meisten nicht-onkologischen Fragestellungen stehen die Mammographie bzw.  Mamma-Sonographie als diagnostischer Standard zur Verfügung und sind in der Regel ausreichend. Bei einer nachvollziehbaren medizinischen Notwendigkeit ist ein Hinweis auf Leistungserbringung im Rahmen der ASV-Richtlinie möglich.
Urteile LSG BW L 11 KR 1579/21 vom 28.2023
Art der Leistungserbringung

Das Mamma-MRT ist bei zwei Indikationen Bestandteil der vertragsärztlichen Versorgung und kann unter Vorgaben der GOP 34441 erbracht werden.
Darüber hinaus kann ein Mamma-MRT beim Vorliegen einer Empfehlung der interdisziplinären Tumorkonferenz im Rahmen der ASV erbracht werden(G-BA Beschluss vom 18.03.2022).
Bei Fragen zur OP-Planung ist nach § 115a SGB V eine vorstationäre Leistungserbringung möglich, um die Erforderlichkeit einer vollstationären Krankenhausbehandlung zu klären oder die vollstationäre Krankenhausbehandlung vorzubereiten.
Darüber hinaus haben einzelne gesetzliche Krankenkassen im Rahmen von Verträgen zur besonderen Versorgung nach § 140a SGB V den Versicherten einen Zugang zu MRT - beispielsweise als strukturierte Maßnahmen der intensivierten Früherkennung (iFE) - ermöglicht. Deren Umfang und medizinische Voraussetzungen sind dem Medizinischen Dienst nicht bekannt.

Fazit
  1. Bei Verdacht auf ein Mammakarzinom

    In der Mehrheit der Fälle ist in der diagnostischen Situation die Bestätigung bzw. der Ausschluss eines Mammakarzinoms durch eine Kombination von klinischer Untersuchung, Mammographie, Sonographie und perkutaner Biopsie ausreichend sicher möglich. Die Ergebnisse der Mammographie und der Mamma-Sonographie sind nach standardisierten Befundkriterien (z. B. BI-RADS) darzulegen.

    In folgender Situation ist die Durchführung einer Mamma-MRT sinnvoll:
  • Befund BI-RADS 0 in der Zusammenschau von Mammographie und Mamma-Sonographie mit Notwendigkeit der ergänzenden bildgebenden Diagnostik.

    ​​​​​​​In folgenden Situationen kann die ergänzende Durchführung einer KM-MRT evtl. zur Problemlösung beitragen (4), wobei stets abzuwägen ist, ob auch eine klinische Verlaufskontrolle der verfügbaren Diagnostik stattdessen ausreichend ist:
     
  • Z. n. perkutaner Biopsie mit benignem Ergebnis, aber unzureichender radiologisch-pathologischer Korrelation​​​​​​​
  • Suspekter Tastbefund ohne ausreichendes Korrelat in Mammographie und Sonographie
  • ​​​​​​​Suspekte Befunde in Mammographie oder Sonographie, bei denen eine perkutane Biopsie nicht sinnvoll durchführbar ist (z. B. Herd nur in einer Ebene abgrenzbar, Herd auf Grund der Lage einer perkutanen Biopsie nicht zugänglich, multiple gleichartige suspekte Herde).

    Eine KM-MRT der Mamma soll nur dort erfolgen, wo die Möglichkeit einer MRT-gestützten Intervention vorhanden bzw. verbindlich geregelt ist und die histologischen Ergebnisse der MR-Intervention in einer multidisziplinären Konferenz im Sinne der Dokumentation der Ergebnisqualität vorgestellt werden.

    2. Bei nicht-onkologischen Indikationen
    Bei den nicht-onkologischen Fragestellungen sind die sozialmedizinischen Voraussetzungen zur außervertraglichen Erbringung einer Mamma-MRT in der Regel nicht erfüllt.
Kommentar/ Hinweise

Bei der Beantragung einer Mamma-MRT als außervertragliche Leistung (z. B. als Kostenerstattung bei IGeL) ist es sinnvoll, neben der Indikation zu prüfen, ob ggf. auch organisatorische Gründe wie unzureichende Erfüllung der QS-Vorgaben antragsbegründend sein und die Versicherten auf Alternativen verwiesen werden können.
 

Weitere Infos:
https://www.g-ba.de/richtlinien/80/IGeL Monitor Magnetresonanztomographie der Brust zur Krebsfrüherkennung


Literatur:
1.    Stachs A, Stubert J, Reimer T, Hartmann S. Benigne Erkrankungen der weiblichen Brust. Dtsch Arztebl International. 2019;116(33-34):565-74.
2.    Fischer U, Said H. Komplikationen von Implantaten der weiblichen Brust in der MRT. Radiologie up2date. 2021;21(01):19-33.
3.    Willen C. Kapselfibrosen und Krebserkrankungen: Wenn das Brustimplantat krank macht. Dtsch Arztebl International. 2021;118(48):A-2276.
4.    Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft Deutsche Krebshilfe A. S 3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms- Version 4.4, 2021. Berlin AWMF Registernummer: 032-045OL; 2021. p. 467 Seiten , Verfügbar:http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/mammakarzinom/ (abgerufen am: 30.07.2024).
5.    Bick U. Intensivierte Früherkennung mittels Magnetresonanztomographie in der Hochrisikosituation. Der Radiologe. 2021;61(2):150-8.
6.    Preuß C, Wunderle M, Hack CC, Beckmann MW, Wenkel E, Jud S, et al. Mammakarzinom beim Mann. Frauenheilkunde up2date. 2021;15(03):243-54.
7.    DKFZ. Behandlung von Brustkrebs bei Männern Heidelberg: Deutsches Krebsforschungszentrum; 2018 [updated 2021; abgerufen am 08 10.2024.
Verfügbar: https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/brustkrebs-beim-mann#c1143.
8.    Baltzer PAT, Kapetas P, Sodano C, Dietzel M, Pinker K, Helbich TH, et al. Kontrastmittelfreie Mamma-MRT. Der Radiologe. 2019;59(6):510-6.
9.    Ho IW, Chichura A, Pederson HJ, Xavier BA, Ritner J, Schwarz GS. Current State of Evidence-Based Long-Term Monitoring Protocols for Breast Plastic Surgery Patients. Annals of surgical oncology. 2024.