Sondenentwöhnung bei Sondendependenz im Kindesalter
| Methode | Sondenentwöhnung bei Sondendependenz im Kindesalter
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| OPS | |
| Indikation | Frühkindliche Sondendependenz (feeding tube dependency in small children) |
| ICD | F98.2 Fütterstörung im frühen Kindesalter Z43.1 Versorgung eines Gastrostomas |
| Oberkategorie | Therapie |
| (Haupt)Fachgebiet |
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| Zuständigkeit in NR |
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| Datum Einstellung | 29.09.2023 |
| Datum der letzten Bearbeitung | 28.08.2023 Sollten sich aus Ihrer Auftragsbearbeitung neue Erkenntnisse ergeben, informieren Sie uns bitte darüber per Mail an die Mailbox MFB Methodenbewertung. |
| Autorin | Dr. Veronika Jovasevic |
| vorhandene Dokumente | |
| Kurzbeschreibung der Methode |
Therapie beruht laut der Homepage des Leistungserbringers auf vier Säulen: 1. Stabile therapeutische Beziehung zu dem Kind und den Eltern aufbauen; 2. Bedrohungserleben beim Essen beenden und das Nervensystem des Kindes in Einklang bringen: 3. Das Erleben positiver Affekte beim Füttern fördern und interaktive Kreise schließen; 4. Dem Kind in seinen Bedürfnissen folgen und nur bei Bedarf intervenieren. durch Praxisbesuche in 14-tägigen Abständen, um eine therapeutische Beziehung zu etablieren. Anschließend wird in der Intensivtherapie-Phase (3-5 Tage) ein Umstieg von der Sondenernährung auf orale Ernährung ermöglicht. Die Nachsorge wird in den auf die Therapie folgenden Monaten telefonisch oder online realisiert.
Laut der Homepage des Leistungserbringers, wird das Kind und seine Eltern beim Essenlernen in einer zweiwöchigen Intensivtherapie im NoTube EAT Campus in Graz von einem multiprofessionellen Extpertenteam unterstützt (inkl. einer anschließender telemedizinischer Nachbetreuung). Die Therapie beinhaltet u. a.:
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| Kurzbeschreibung des Krankheitsbilds | Frühkindliche Fütterstörung in Form einer Sondendependenz oder Sondenabhängigkeit zeigt sich bei den Kindern, die aus medizinischen Gründen temporär sondenernährt werden sollten, aber trotz Stabilisierung der medizinischen Situation bei der Sondenernährung bleiben, da der Übergang zur oralen Ernährung nicht gelingt. Kommt es in Folge der Grunderkrankung zu einer Nahrungsaversion, so kann diese über Jahre bestehen bleiben, was mit einer Fortsetzung der Sondenernährung einhergeht (Daveluy et al., 2006). Schätzungen zufolge werden hierzulande rund 5 000 Kinder unter 14 Jahren per Sonde ernährt (Wilken et al, 2017). Eine offizielle Information zu der Zahl der betroffenen Kinder liegt weder der Bundesregierung noch dem GKV-Spitzenverband vor (https://dserver.bundestag.de/btd/19/039/1903966.pdf). |
| Leitlinien | S2k-Leitlinie „Psychische Störungen im Säuglings-, Kleinkind und Vorschulalter“ befindet sich zurzeit in Überarbeitung; geplante Fertigstellung laut AWMF online: 31.12.2023. |
| Urteile | SG München vom 05.05.2022, S 59 KR 1550/19 SG Berlin vom 11.07.2017, S 81 KR 719/17 |
| Art der Leistungserbringung | Ambulant, jedoch als Gesamtleistungspaket nicht im EBM abgebildet. Ob es sich bei der komplexen Therapieleistung um eine NUB i. S. v. § 135 SGB V handelt, wurde von den Gerichten bisher unterschiedlich eingeschätzt; eine BSG-Rechtsprechung zu dieser Methode ist bisher nicht bekannt. Eine Bewertung der Methode durch den G-BA erfolgte bisher nicht. Einzelne Bestandteile der Therapie sind vertragsärztlich bzw. vertragspsychotherapeutisch abrechenbar oder im Heilmittelkatalog der GKV enthalten:
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| Fazit | Die Frage zur sozialrechtlichen Einordnung der strittigen komplexen Behandlung kann bisher mangels BSG-Rechtsprechung bzw. G-BA-Beratung nicht abschließend beantwortet werden. Die publizierten Studienergebnisse sind nicht ausreichend, um von einem Beleg des Nutzens auszugehen und unter der Berücksichtigung des Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitsgebots nach §§ 2 und 12 SGB V eine generelle Bestätigung der sozialmedizinischen Voraussetzungen zur Kostenübernahme einer Behandlung beim privaten Leistungsanbieter (Institut Dr. Wilken) oder im EU-Ausland (NoTube) zu formulieren. Pauschalrechnungen sind nach § 1 GOÄ unzulässig. In der Regel liegt beim o. g. Krankheitsbild weder ein notstandähnlicher Zustand noch eine unerforschbare, singuläre Erkrankung im Sinne der BSG-Rechtsprechung vor noch ist mangels geeigneter publizierter Ergebnisse zum Nutzenbeleg aktuell von einem Systemversagen auszugehen.
Das Vorliegen eines behandlungsbedürftigen, krankhaften Zustandes ist bei den betroffenen Kindern hingegen in der Regel nachvollziehbar, sowie die Notwendigkeit einer intensivierten, multimodalen Therapie. Im Einzelfall kann bei einer positiven Prognose der geplanten Sondenentwöhnung auf die in Deutschland verfügbaren Behandlungsalternativen verwiesen werden. Im Rahmen vertragsärztlicher/vertragspsychotherapeutischer Behandlung bzw. Heilmittelverordnung sind einzelne Leistungen im sog. GKV-Katalog enthalten und im ambulanten Setting abrechnungsfähig. Ist ein multimodales stationäres Behandlungssetting erforderlich, kann dieses im Rahmen einer akutstationären Behandlung oder als stat. Rehabilitationsmaßnahme in spezialisierten Kliniken erbracht werden. Zusätzlich zu den Leistungen der medizinischen Rehabilitation können bei Bedarf Leistungen zur Früherkennung und Frühförderung (§ 46 in Verbindung mit § 42 Abs. 2 Satz 2 SGB IX) evaluiert werden. Über das erforderliche Therapiesetting entscheiden die Behandelnden. Beispielsweise stehen folgende Einrichtungen zur Verfügung:
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| Kommentar/ Hinweise | Literatur (Volltexte sind im MFB Methodenbewertung verfügbar): Wilken M, Cremer V, Berry J, et al. Arch Dis Child 2013;98:856-861 Coolbear J, Benoit D. Infant Mental health Journal, Vol. 20(1), 87-104 (1999) Scheer PJ. Auf dem Weg zur Telemedizin: Erkenntnisse aus 28 Jahren psychosomatischer Medizin. Padiatr Padol. 2021;56(1):30-34. |