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Endonvenöse Radiofrequenzablation (RFA)

Methode

Endovenöse Radiofrequenzablation (RFA)
 

Synonyme: Radiofrequenzobliteration (RFO), segmentale Radiofrequenzablation (sRFA), VNUS Closure Verfahren
 

Weitere Modifikation der RFA: bipolare Radiofrequenzablation (bRFA), Radiofrequenz-induzierte Thermotherapie (RFITT) mit bipolarem RFITT®-Katheter (Firma Olympus vormals CELON) auch CELON-Methode genannt
OPS 5-385.b Endoluminale Radiofrequenzablation
Indikation Symptomatische Varikosis/Varizen der unteren Extremitäten, vor allem die Stammvarikose der V. saphena magna und parva  
ICD I83.- Varizen der unteren Extremitäten
Oberkategorie Therapie
(Haupt)Fachgebiet Phlebologie/Gefäßchirurgie
Zuständigkeit in NR ASP Methodenbewertung
Datum Einstellung 10.04.2024
Autoren MFB Methodenbewertung
Datum der letzten Bearbeitung

08.04.2024
 

Sollten sich aus Ihrer Auftragsbearbeitung neue Erkenntnisse ergeben, informieren Sie uns bitte darüber per E-Mail an die Mailbox MFB Methodenbewertung
vorhandene Dokumente Kurzinformation
Kurzbeschreibung des Krankheitsbilds

Die primäre Varikose ist eine degenerative Erkrankung der Venenwand im oberflächlichen Venensystem der Beine, bei der sich unter dem Einfluss verschiedener Realisationsfaktoren (z. B. Schwangerschaften, Orthostasebelastung) im Laufe des Lebens Varizen in unterschiedlicher Ausprägung und Schweregrad entwickeln. Die Varikose ist eine lebenslang existierende, progrediente Erkrankung, welche die Lebensqualität nachhaltig beeinträchtigen kann.
 

Die Varikose kann mit oder ohne Beschwerden oder mit Ödem und/oder Hautveränderungen vorkommen. Unbehandelt führt die medizinisch bedeutsame Varikose, insbesondere mit Stammvenen- und Perforansinsuffizienz, häufig zu Komplikationen (chronisches Ödem, trophische Hautveränderungen, Ulcus cruris venosum, tiefe Leitveneninsuffizienz, Varikophlebitis). Darüber hinaus besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer tiefen Beinvenenthrombose, insbesondere im zeitlichen Zusammenhang mit dem Vorliegen einer oberflächlichen Venenthrombose.

Kurzbeschreibung der Methode

Bei der Operationsmethode der endovenösen Radiofrequenzablation handelt es sich um eine ärztliche Leistung in Verbindung mit Medizinprodukten (z. B. ClosureFastTM, VenefitTM, VencloseTM). Die Operation kann in der Regel ambulant durchgeführt werden.
 

Der Radiowellenkatheter wird in die defekte Vene eingeführt. DieKatheterspitze gibt gleichmäßige und wiederholbare Hitze (120°C) ab. Über den Kontakt der Sondenspitze mit der Venenwand wird die Wärmeenergie abgegeben, das Kollagen in den Gefäßwänden zieht sich zusammen und die Vene verschließt sich. Je nach Befund und Durchmesser der Vene sind bestimmte Energiemengen bzw. mehrere Behandlungszyklen erforderlich. Die

Vene muss vor der Hitzebehandlung durch die Sonde mit einer Mischung aus Kochsalzlösung und Lokalanästhetikum umspritzt werden (Tumeszenz-Anästhesie), um das umgebende Gewebe vor eine Hitzeschädigung zu schützen.
 

Bei der Radiofrequenz-induzierten Thermotherapie (RFITT) wird die betroffene Vene über eine bipolare Sonde, die einen Wechselstrom erzeugt, verschlossen. Dabei entsteht in der Venenwand eine Temperatur zwischen 80-100°C. Die Sonde wird kontinuierlich zurückgezogen. Benötigte Energie und Rückzugsgeschwindigkeit sind abhängig vom Durchmesser der Vene. Die Vene wird später vom Körper abgebaut. Da an der Katheterspitze nicht so hohe Temperaturen entstehen (bis 100°C), ist eine Tumeszenz-Anästhesie nicht zwingend erforderlich.
 

Integraler Bestandteil der endovenösen Verfahren ist die Sonographie vor, während und nach der Behandlung, hierbei sind gute sonographische und phlebologische Kenntnisse notwendig (1).

Evidenz 2021 wurde das Update des Cochrane Reviews zur Behandlung der Stammveneninkontinenz der V. saphena magna mit verschiedenen Verfahren veröffentlicht (3). Zum Vergleich der RFA mit der sapheno­femoralen Ligation und den Crossektomie/Ligatur und Stripping-Verfahren wurden fünf randomisiert kontrollierte Studien eingeschlossen. Auf der Grundlage von einer dänischen RCT mit 289 Patienten von Rasmussen et al. ergab sich ein möglicher Langzeiteffekt nach 5 Jahren in Form einer reduzierten Rezidivrate nach Behandlung mit RFA im Vergleich zur Crossektomie/Ligatur und Stripping (niedrige Qualität der Evidenz) (4). Für den technischen Erfolg nach fünf Jahren und für die postoperative Rezidivrate nach drei Jahren konnte kein Unterschied zwischen der RFA und Crossektomie/Ligatur und Stripping festgestellt werden (jeweils niedrige Qualität der Evidenz).
Leitlinien

In der deutschen S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Varikose“ (veröffentlicht 2019) steht nur eine Empfehlung zur technischen Durchführung der RFA (1): „Die Radiofrequenzablation kann in Trendelenburg Position durchgeführt werden. Durch externe Kompression kann der Kontakt zwischen Behandlungssonde und Venenwand verbessert werden, um eine Optimierung des Behandlungsergebnisses zu erreichen.“

Zur bipolaren Radiofrequenzablation variiert laut Leitlinie die Durchführungsart in den einzelnen Studien so stark, dass keine eindeutigen Empfehlungen abgegeben werden könnten (1).

Die 2023 aktualisierte amerikanische Leitlinie der „Society for Vascular Surgery“ und des „American Venous Forum“ enthält eine starke Empfehlung bei moderater Qualität der Evidenz für den Einsatz endovenöser Ablation für den Befall der V. sphena magna gegenüber Crossektomie/Ligatur und Stripping-Verfahren sowie eine starke Empfehlung bei niedriger bis sehr niedriger Evidenzqualität bei Befall der V. saphena parva (2). Für diese Stammvenen wird offenes Operieren nur bei Nicht-Verfügbarkeit oder Kontraindikationen zur endovasalen thermischen Behandlung empfohlen mit hohem Empfehlungsgrad bei moderater Qualität der Evidenz.
Alternativen

Als Behandlungsalternativen können operative Methoden der Varizenbehandlung, in der Regel Crossektomie/Ligatur und Stripping, genannt werden.

Urteile

Keine aktuellen der letzten fünf Jahre bekannt.

LSG Baden Württemberg L 11 KR 715/13 vom 14.10.2013
Art der Leistungserbringung

Ambulant möglich, jedoch nicht im EBM abgebildet (NUB im Sinne von § 135 Abs. 1 SGB V)

Fazit
  • Die minimalinvasive Operationsmethode der endovenösen Radiofrequenzablation gilt in Deutschland trotz breiter Verwendung formal als neue Untersuchungs- und Behandlungsmethode nach § 135 Abs. 1 SGB V. Bisherige Bewertung bzw. Beratungen durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) sind nicht bekannt.
  • Als ambulante Therapieoptionen zur invasiven Behandlung der Varikose stehen offen-chirurgische Verfahren (Crossektomie, Stripping, Phlebektomie) sowie Venensklerosierung als GKV-Leistung zur Verfügung. Laut S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Varikose“ sind grundsätzlich alle Formen der Varikose (ausgenommen Besenreiser) mit duplexsonographisch nachweisbarem Reflux einem offen operativen Eingriff zugänglich.
  • Der OPS 5-385.b Endoluminale Radiofrequenzablation ist nicht im Anhang II (Verzeichnis der ambulanten und belegärztlichen Operationen nach OPS) des aktuellen EBM enthalten. Nach dem Kommentar Wezel/Liebold ist ein Analogansatz i. S. einer Stripping-OP o. Ä. nicht möglich (ergo auch kein Ersatz von Materialkosten).
  • Die Voraussetzungen des § 2 Abs. 1a SGB V sind beim Krankheitsbild symptomatische Varikose regelhaft nicht erfüllt.
  • Ob einzelne gesetzliche Krankenkassen im Rahmen von Verträgen zur Besonderen Versorgung nach § 140a SGB V  den Versicherten bei erfüllten medizinischen Voraussetzungen eine Anspruchnahme der Leistung ermöglichen, ist dem MD nicht bekannt.
Kommentar/ Hinweise

Literatur:

  1. S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Varikose (2019)
  2. Gloviczki P, Lawrence PF, Wasan SM, Meissner MH, Almeida J, Brown KR, et al. The 2023 Society for Vascular Surgery, American Venous Forum, and American Vein and Lymphatic Society clinical practice guidelines for the management of varicose veins of the lower extremities. Part II: Endorsed by the Society of Interventional Radiology and the Society for Vascular Medicine. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord. 2024;12(1):101670.
  3. Whing J, Nandhra S, Nesbitt C, Stansby G. Interventions for great saphenous vein incompetence. Cochrane Database Syst Rev. 2021;8:CD005624.
  4. Rasmussen LH, Lawaetz M, Bjoern L, Vennits B, Blemings A, Eklof B: Randomized clinical trial comparing endovenous laser ablation, radiofrequency ablation, foam sclerotherapy and surgical stripping for great saphenous varicose veins. Br J Surg. 2011, 98(8): 1079-1087
  5. Lawaetz M, Serup J, Lawaetz B, Bjoern L, Blemings A, Eklof B, et al. Comparison of endovenous ablation techniques, foam sclerotherapy and surgical stripping for great saphenous varicose veins. Extended 5-year follow-up of a RCT. Int Angiol. 2017;36(3):281-8
  6. Böhler K. Minimal-invasive Katheterverfahren in der Varizentherapie. Die Dermatologie. 2023;74(3):163-70.

 

Link zum Hersteller: https://www.medtronic.com/ch-de/patienten/produkte-therapien/krampfadern---behandlungsoptionen/closurefast.ht