STIWELL med4
| Methode | Elektrostimulation Inkontinenzgerät (EMG-gesteuerter 4-Kanal Muskelstimulator STIWELL med4) mit und ohne Biofeedback bei Inkontinenz |
| OPS | NN |
| Indikation |
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| ICD | R32 Nicht näher bezeichnete Inkontinenz |
| Oberkategorie | Therapie |
| (Haupt)Fachgebiet |
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| Zuständigkeit in NR | SFB/ASP Urologie |
| Datum Einstellung | 16.08.2019 |
| Dokumentenart | |
| Autor in | Meike Hansen |
| Datum der letzten Bearbeitung | 13.08.2019 Sollten sich aus Ihrer Auftragsbearbeitung neue Erkenntnisse ergeben, informieren Sie uns bitte darüber per Mail an die Mailbox MFB Methodenbewertung |
| vorhandene Dokumente | Evidenzübersicht und Geräteinformation |
| Kurzbeschreibung | Krankheitsbilder: Harninkontinenz bezeichnet ganz allgemein die Unfähigkeit, die Harnausscheidung hinsichtlich Zeit und Ort zu kontrollieren. Indikationen gemäß Produktart Produktart 09.37.03.0 Biphasische niederfrequente Elektrostimulationsgeräte bei Inkontinenz sind identisch mit denen der Produktart 09.37.03.1 Inkontinenztherapiegeräte mit Therapiespeicher und Biofeedback im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-SV: Harninkontinenz: Als Initialbehandlung bei Stress-/Belastungsinkontinenz der Frau, nach Ausschluss von höhergradigem Descensus Prolaps oder Cystocele, bei nachgewiesener Unfähigkeit zu aktiver/willkürlicher Kontraktion des Beckenbodens. Im Anschluss an die Initialbehandlung und bei einer reinen Belastungsinkontinenz sollte immer auf Geräte mit integriertem Biofeedback (siehe Produktart 09.37.03.1 „Inkontinenztherapiegeräte mit Therapiespeicher und Biofeedback“) zurückgegriffen werden. Inkontinenz des Mannes nach radikaler Prostatektomie, z. B. bei nachgewiesener Unfähigkeit zu aktiver/willkürlicher Kontraktion des Beckenbodens – in der Regel frühestens drei Monate nach einer OP bei fehlender Rückbildungstendenz der Symptomatik und Ausschluss eines Sphinkterdefektes. Einsatz im Rahmen eines umfassenden Managements mit Verhaltenstraining und Physiotherapie. Stuhlinkontinenz: Sphinkterinsuffizienz nach Ausschluss von Descensus, Rectocele etc. bei nachgewiesener Unfähigkeit zu aktiver/willkürlicher Innervation des Beckenbodens. Es ist zu beachten, dass im Falle eines apparativen Kontinenztrainings bei Stuhl- sowie Harninkontinenz neben der Aufklärung über das Behandlungskonzept die medizinische Einweisung (z. B. Elektrodenlage) unter ärztlicher Leitung zu erfolgen hat. Die Einweisung in die Handhabung und Bedienung des Gerätes muss durch eine vom Hersteller geschulte oder autorisierte Person erfolgen. Dies kann auch die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt sein. Die weitere Verordnung eines Elektrostimulationsgerätes dieser Produktart setzt den Nachweis der Compliance der Versicherten oder des Versicherten voraus. Kontraindikationen und Anwendungseinschränkungen für beide Produktarten:
Kurzbeschreibung der Methode: Biofeedback und Elektrostimulation sowie deren Kombination sind Behandlungsmethoden, mit denen erlernt werden kann, den Beckenboden kontrolliert willentlich zur trainieren und zu kräftigen. Intrakorporale Elektroden können selbst sehr kleine Muskelaktivitäten registrieren, die man normalerweise nicht bewusst wahrnimmt. Der Patient kann die Stärke seiner Muskelkontraktion am Gerätedisplay ablesen oder durch akustisches Feedback wahrnehmen. Die Elektrostimulation dient der zusätzlichen Kräftigung und trainiert insbesondere die Ausdauerleistung der häufig insuffizienten Muskulatur und verdeutlich die Lerninformation für die Patienten. Sie ist eine Behandlungsmöglichkeit zur Therapie der Harninkontinenz, mit der ein nachhaltiger Therapieerfolg erzielt werden kann. Die angegebenen Therapieempfehlungen sind mit den Fachärzten abzusprechen und von diesen individuell nach Patientenausgangsbefund festzulegen. Laut der deutschen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologische Rehabilitation wird unter neuromuskulärer Elektrostimulation der allgemeinere Oberbegriff der neuromuskulären Stimulation (NMES) verwendet (1). Bei der elektrischen Muskelstimulation (EMS)/neuromuskulärem Stimulation (NMES) wird die Muskelzelle direkt durch elektrische Reize erregt. Die EMS erfolgt mit Oberflächenelektroden über die Haut. Unterschiedliche EMS-Reizfrequenzen können verschiedene Bereiche des Muskelfaserspektrums unterschiedlich stark stimulieren. Bei Frequenzen zwischen 50 und 200 Hz werden mehr die schnellen Muskelfasern aktiviert, Frequenzen zwischen 5 und 10 Hz sollen eher zur Verbesserungder Ausdauerfähigkeit dienen, für die die langsamen Muskelfasern zuständig sind. Muskelstimulationsgeräte im Sinne dieser Produktart bewirken eine Stimulation der noch innervierten Beckenbodenmuskulatur und werden unterstützend zur Behandlung der Inkontinenz eingesetzt. Die Elektrostimulation mit nicht implantierten Elektroden führt zur Kontraktion des M. levator ani, der externen urethralen und analen Sphinkter begleitet von einer reflektorischen Inhibition des M. detrusor (2). Gemäß der Leitlinie zur Harninkontinenz bei geriatrischen Patienten aus 2019 kann deshalb die Elektrostimulation nicht nur bei der Behandlung der Belastungs-, sondern auch bei der Dranginkontinenz eingesetzt werden. Benutzt werden vaginale, anale oder Oberflächenelektroden. Wie bei anderen konservativen Methoden gebe es kein einheitliches Therapieregime. Elektrodenapplikation, Stromstärke, Dauer der einzelnen Sitzung wie auch die Gesamtdauer der Behandlung variieren sehr. In einer dreiarmigen Studie wurde Biofeedback-Training mit einer konventionellen und einer dynamischen Elektrostimulation sowie einer ohne Elektrostimulation verglichen. Unterschiede im Therapieerfolg gemessen per King´s Health Questionnaire konnten nicht gesehen werden (3). Biofeedbackmethoden vermitteln mit Hilfe eines elektronischen oder mechanischen Gerätes dem Patienten Informationen über die Aktivität des eigenen Beckenbodens. In den Studien werden einfache EMG-Messmethoden (Oberflächen-, Nadel-, vaginale oder anale Elektroden) verwendet. Komplexere Messmethoden bestimmen zusätzlich z. B. die abdominelle muskuläre Aktivität. Es bestehen weder einheitliche Angaben über Dauer und Häufigkeit der einzelnen Übungseinheiten, noch Dauer des Trainingsprogrammes, noch Angaben, ob die Übungen ambulant, stationär, ob unter oder ohne Supervision durchgeführt wurden. Das Medizinprodukt STIWELL med4 (Hersteller: Firma Ottobock, Vertrieb: Krauth + Timmermann) ist CE-zertifiziert. Das STIWELL med4 ist sowohl für die stationäre Anwendung im Krankenhaus als auch für die Heimanwendung durch den Patienten vorgesehen. Die Anpassung der Programme und die Kontrolle des Therapiefortschritts sollen durch den Arzt oder Therapeuten erfolgen. Als Kontraindikationen werden in der deutschen Gebrauchsanweisung zu den urologischen Programmen angegeben:
Darüber hinaus gibt der Hersteller als Kontraindikationen und Anwendungseinschränkungen an u. a. implantierte Herzschrittmacher oder andere elektronische Impulsgeber, fieberhafte Erkrankungen oder Infektionskrankheiten, entzündliche oder tumoröse Hauterkrankungen im Stimulationsbereich sowie Thrombosen oder Venenentzündungen. Laut Warnhinweisen in der Gebrauchsanweisung darf die Behandlung von Patienten mit kardiologischen Erkrankungen, Epilepsie, Multipler Sklerose, Hämophilietoleranz oder Diabetes nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Elektrostimulationsgeräte im Sinne der Produktarten 09.37.03.0 und 09.37.03.1 bewirken eine Stimulation der noch innervierten Beckenbodenmuskulatur undwerden unterstützend zur Behandlung der Inkontinenz eingesetzt. Bei den Geräten mit Biofeedbackfunktion erhält die Versicherte oder der Versicherte über spezielle Anzeigen, optischer oder akustischer Natur, eine Rückmeldung (Feedback) über die Qualität der Muskelanstrengung. Als Standardtherapie stehen Physio- und Ergotherapie nach Heilmittel-Richtlinie zur Verfügung sowie ggf. Fortführung gelernter Übungen in Eigenregie. |
| Urteile | Keine bekannt |
Art der Leistungserbringung | Hilfsmittel zur Sicherung des Erfolges der Krankenbehandlung mit Methodenbezug |
| Fazit | GKV-Leistung bei Beachtung der Vorgaben der Produktart 09.37.03.0 Biphasische niederfrequente Elektrostimulationsgeräte bei Inkontinenz und Produktart 09.37.03.1 Inkontinenztherapiegeräte mit Therapiespeicher und Biofeedback des Hilfsmittelverzeichnisses des GKV-SV:
Zusätzliche Anforderungen für Produktart 09.37.03.1 Inkontinenztherapiegeräte mit Therapiespeicher und Biofeedback:
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| Kommentar/ Hinweise | Literatur 1. Deutsche Gesellschaft für Neurologische Rehabilitation. Motorische Therapie für die obere Extremität zur Behandlung des Schlaganfalls 2009 [cited 2019 06.02.2019]. Available from: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/080-001l_S2e_Motorische_Therapien_obere_Extremit%C3%A4t_Behandlung_Schlaganfall_2011-abgelaufen.pdf. 2. Deutsche Gesellschaft für Geriatrie. Harninkontinenz bei geriatrischen Patienten, Diagnostik und Therapie, Langfassung (update 2019) Stand 2. 1. 2019 2019 [cited 2019 02.05.2019]. Available from: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/084-001l_S2e_Harninkontinenz_geriatrische_Patienten_Diagnostik-Therapie_2019-01.pdf. 3. Huebner M, Riegel K, Hinninghofen H, Wallwiener D, Tunn R, Reisenauer C. Pelvic floor muscle training for stress urinary incontinence: a randomized, controlled trial comparing different conservative therapies. Physiother Res Int. 2011;16(3):133-40. |