Transkutane Vagusnervstimulation (tVNS) bei pharmakoresistenter Epilepsie
| Methode | Transkutane Vagusnervstimulation (tVNS) bei pharmakoresistenter Epilepsie |
| Verwendete Medizinprodukte | tVNS Technologies GmbH: tVNS® |
| Indikation | Epilepsie |
| ICD | G40.- Epilepsie |
| Oberkategorie | Therapie |
| (Haupt)Fachgebiet | Neurologie |
| Bearbeitung in NR | ASP Methodenbewertung |
| Erstellt durch | MFB Methodenbewertung |
| Datum der letzten Bearbeitung | 04.07.2024 |
| Kurzbeschreibung des Krankheitsbilds | Bei einer Prävalenz von 0,7–0,8% erkranken pro Jahr in der westlichen Welt 46 von 100.000 Personen neu an Epilepsie. Epilepsie ist definiert als andauernde Prädisposition des Gehirns, epileptische Anfälle zu generieren, welche definiert sind als eine transiente, abnorme, hypersynchrone Entladung zerebraler Neurone. Eine pharmakoresistente Epilepsie besteht, wenn trotz angemessener Behandlung mit mindestens zwei antikonvulsiven Medikamenten, in Mono- oder auch in Kombinationstherapie, weiterhin epileptische Anfälle jährlich auftreten. „Angemessene Therapie“ bedeutet: Ein geeignetes Medikament wird suffizient dosiert und über eine gewisse Zeit eingenommen. Prädiktoren der Therapieresistenz: Eine pharmakoresistente Epilepsie tritt besonders auf bei: hoher initialer Anfallsfrequenz, fokalen Anfällen, der Kombination unterschiedlicher Anfallstypen sowie einem Manifestationsalter vor dem ersten oder nach dem zwölften Lebensjahr und Krampfanfällen im Neugeborenenalter. Prognostisch entscheidend ist darüber hinaus die Genese der Anfälle. Im Gegensatz zu genetisch bedingten, wie z. B. der Absencen-Epilepsie, gehen strukturell/metabolisch verursachte Epilepsien selten mit einer Remission einher. Schließlich bedeuten strukturelle Auffälligkeiten in der zerebralen Bildgebung eine höhere Wahrscheinlichkeit einer Therapieresistenz. Patienten mit (fokaler) kortikaler Dysplasie, Hippocampusatrophie oder -sklerose haben eine Wahrscheinlichkeit von unter 25%, anfallsfrei zu werden. |
| Kurzbeschreibung der Methode | Als Kernmerkmale der Transkutanen Vagusnervstimulation (tVNS) werden die transkutane elektrische Stimulation des aurikulären Asts des Vagusnervs mittels Ohrelektrode und der Einsatz als Add-on-Therapie angesehen. Bei der transkutanen Stimulation des Nervus vagus (tVNS) soll bei Epilepsiekranken, die medikamentös nicht ausreichend behandelbar sind und nicht operiert werden können, eine Verminderung der Anfallshäufigkeit dadurch erreicht werden, dass über eine täglich stundenweise im Ohr platzierte Elektrode eine elektrische Stimulation des Vagusnervs erfolgt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat das Potential der Methode Transkutane Vagusnervstimulation bei pharmakoresistenter Epilepsie festgestellt. In einer Erprobungsstudie soll untersucht werden, ob bei Patientinnen und Patienten mit pharmakoresistenter Epilepsie eine Behandlung mit der tVNS als Add-on-Therapie zur bestehenden Pharmakotherapie im Vergleich zu einer alleinigen Pharmakotherapie zu einer relevanten Veränderung des Anfallsgeschehens führt. Die Erprobungs-Richtlinie des G-BA trat am 14.06.2024 in Kraft. Eingeschlossen werden sollen Patientinnen und Patienten mit pharmakoresistenter Epilepsie, die im Durchschnitt mindestens drei Anfälle pro Monat erleiden und die für einen epilepsiechirurgischen Eingriff ungeeignet sind oder diesen ablehnen. |
| Evidenz | Zur Bewertung der transkutanen VNS im Vergleich zur alleinigen Pharmakotherapie bei Patienten mit pharmakoresistenter Epilepsie, bei denen eine invasive VNS kontraindiziert ist oder die eine invasive VNS ablehnen, lagen für die Potentialbewertung des IQWiG vom 24.05.2016 Ergebnisse aus 3 RCTs vor zu den Endpunkten Anfallshäufigkeit, Lebensqualität und UE. Die Gesamtschau der Studien deutet auf positive Effekte der tVNS bezüglich des Endpunkts Anfallshäufigkeit hin, während die Ergebnisse zum Endpunkt UE keinen höheren Schaden durch die Methode andeuten. Vorteile hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität waren nicht erkennbar. In dem am 06.04.2017 vom IQWiG veröffentlichten Addendum wurde keine weitere abgeschlossene oder laufende Studie gefunden, die grundsätzlich geeignet wäre, den Nachweis eines Nutzens zu liefern. |
| Leitlinien | Die S2k-Leitlinie „Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter“ (1) herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) wurde im September 2023 veröffentlicht (gültig bis 31.08.2028). Darin wird ausgeführt: „Für die THS (tiefe Hirnstimulation) an anderen intrakraniellen Zielstrukturen, für die aurikuläre VNS, für zervikale VNS-Systeme mit EKG-getriggerter Closed-Loop-Funktion und für die transkranielle Gleichstrom- oder Magnetstimulation liegen entweder Studiendaten mit geringer Evidenz oder negativem Ergebnis vor.“ |
| Alternativen | Die Pharmakotherapie ist in der Regel ausgeschöpft. Bei Nachweis einer epileptogenen Läsion in funktionell unverzichtbaren (sog. nicht-eloquenten) Hirnarealen kann ein epilepsiechirurgischer Eingriff erwogen werden. |
| Urteile | Keine relevanten Urteile bekannt. |
| Art der Leistungserbringung | Grundsätzlich ist eine ambulante Durchführung möglich, jedoch nicht im Leistungskatalog der GKV (NUB im Sinne von § 135 SGB V). |
| Fazit |
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| Kommentar/ Hinweise | Literatur: 1. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter 2023 [zuletzt abgerufen am 02.07.2024]. Available from: https://register.awmf.org/assets/guidelines/030-041l_S2k_Erster-epileptischer-Anfall-Epilepsien- Erwachsenenalter_2023-09.pdf. IQWiG-Potenzialbewertung vom 24.05.2016 IQWiG-Addendum zum Auftrag E16-03 vom 06.04.2017 Herstellerlink tVNS Technologies GmbH: https://t-vns.com/de/ |